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Plakate der SBZ/DDR

Deutsches Historisches Museum Berlin

Diese CD-ROM bietet einen repräsentativen Überblick über das Plakatschaffen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) bis 1989/1990. Die Dokumentation umfaßt rund 7300 Plakate aus den Beständen des Deutschen Historischen Museums in Berlin (DHM) und führt die 1995 begonnene Reihe fort, die das DHM zusammen mit dem Bildarchiv Foto Marburg und dem Saur Verlag produzierte. Im Unterschied zu der 1995 erschienenen CD-ROM "Das politische Plakat der DDR (1945-1970)" sind hier nun Plakate aus allen Bereichen des politisch-gesellschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens der SBZ/DDR aufgenommen worden, deren Themen-, Motiv- und stilistisches Repertoire den Betrachter sowohl mit Bekanntem konfrontieren als auch mit Unerwartetem überraschen wird. Die Archivierung dieses Bestandes wurde von der Stiftung Volkswagenwerk finanziell gefördert. Die CD-ROM schließt das Projekt ab. So konnte ein bislang unbearbeiteter Bestand von DDR-Plakaten des DHM erfaßt und bearbeitet und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Katalogisierung und EDV-gestützte Inventarisierung berücksichtigt objekt- und sammlungsspezifische Aspekte ebenso wie thematische und ikonographische Sachverhalte (Verschlagwortung). Eine Bereicherung der Dokumentation stellen die Angaben zu den Herstellungs- und Entstehungskontexten der Plakate dar; so wurden neben den Plakatgestaltern zum größten Teil auch die Drucker/Druckwerkstätten, Auftraggeber und Anlässe der Plakatentstehung erfaßt. Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl von Künstlerbiographien und Informationen zu einer reichen Auswahl der auf den Plakaten abgebildeten und erwähnten Personen.

Als historisches Quellenmaterial gewinnen die Plakate zunehmend an Bedeutung. In ihnen spiegelt sich die gesamte Geschichte der SBZ/DDR nicht zuletzt deshalb, weil das Plakat in den Nachkriegsjahren das auflagenstärkste Medium für die Propaganda der Parteien und Massenorganisationen war. Auch als sich dies mit der Verbreitung anderer Medien, insbesondere des Deutschen Fernsehfunks seit 1957/58, zu ändern begann, blieb das Plakat ein wichtiges öffentliches Agitationsinstrument, über dessen Wirksamkeit bzw. Rezeption eindeutige Aussagen zu treffen allerdings problematisch ist. Die Eigen- und Mitgliederwerbung der Massenorganisationen (z. B. FDGB, FDJ) und der Parteien hatte zusammen mit der Wahlpropaganda der Nationalen Front, der SED und der Blockparteien den größten Anteil an der politischen Bildagitation. Aus der Frühzeit der SBZ/DDR umfaßt die Themenpalette der Plakate die vielfältige Agitation zum Aufbau des neuen sozialistischen Staates, die "Bodenreform", Aufrufe zu Hilfsmaßnahmen für Umsiedler in die SBZ, Bildkampagnen der Volkskongreßbewegung, Mahnungen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) oder Aufrufe zum "Kampf für die deutsche Einheit". Auch die bildnerische Bestätigung der neu in den Festkalender der DDR aufgenommenen Gedenk- und Jahrestage ist hier zu nennen. Der Kanon der Kampagnen reicht ferner von Friedens-Aufrufen und Anti-Nato-Plakaten über die Propaganda für die Deutsch-Sowjetische Freundschaft bis hin zur militärpolitischen Agitation und den Plakaten zum Thema "Internationale Solidarität".

Die Wirtschaftswerbung bzw. Produktionspropaganda, die zu einem guten Teil als politische Agitation zu verstehen ist, beginnt mit den bildnerischen Proklamationen der Jahrpläne, richtet sich gegen Schwarzhandel und "Sabotage" und im Verlauf der 50er Jahre mit dem Appell zur Erfüllung des "Plansolls" direkt an die "Aktivisten" der Planwirtschaft. Aufrufe zur Beteiligung am Nationalen Aufbauprogramm, zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion und dem Einsparen von Rohstoffen++ werden ergänzt durch solche für den Aufbau der Schwer- und der chemischen Industrie. Neben der Produktwerbung zeigen die Plakate für die Leipziger Messe, für zahlreiche Modeschauen und solche der Staatlichen Handels-Organisation (HO) sowie der Konsumgenossenschaften die Bandbreite der Wirtschaftswerbung. In einer durch Konkurrenzlosigkeit und Mangelwirtschaft gekennzeichneten ökonomischen Situation erscheint eine spezifische Produktwerbung an sich als Paradoxon. Doch die Warenpräsentation und die Wirtschaftspropaganda im Sozialismus waren darauf angelegt genau diesen Mangel zu verschleiern. Der Deutschen Werbe- und Anzeigengesellschaft (DEWAG)(1) oblag neben der Bereitstellung verschiedenster Werbematerialien im politisch-gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich auch die Zuständigkeit für die Warenwerbung. In den 50er Jahren erhielt die DEWAG zunehmend die Monopolstellung auf dem Gebiet der "Sichtagitation" und sorgte für die Produktion von Propagandamaterialien, wie Plakate, Transparente, Spruchbänder und Wandzeitungen für den öffentlichen Raum im weitesten Sinne, also auch für Fabrikhallen, Warteräume, Schulen und Bahnhöfe. Für die Exportwerbung war die Interwerbung zuständig, ein Betrieb des Außenhandelsministeriums der DDR, der im Unterschied zur DEWAG die Werbemaßnahmen nicht selbst ausführte, sondern lediglich als Auftragsvermittler fungierte.

SBZ/DDR

Aus den Sparten Wissenschaft und Technik bietet die nun erschlossene Plakatsammlung eine vielfältige Palette an Sujets, vor allem aus der Zeit des "Sputnikschocks" und der Entwicklung der Computer- und Kommunikationstechnologie. Als die Sowjetunion am 4. Oktober 1957 den ersten künstlichen Erdsatelliten ins All schickte, reagierten die westlichen Nationen mit Überraschung und Sorge. Raumfahrt und Mikroelektronik wurden zu bevorzugten Themen für die Propagierung der eigenen wie der generellen Fortschrittszuversicht der sich als sozialistisch verstehenden Staaten bzw. deren Überlegenheit gegenüber dem "kapitalistischen Ausland".

Einen weiteren Bereich bilden die Plakate zum Thema Gesundheit, Volksvermögen und Lotterie, Maßregeln für den Verkehr sowie zum sozialen Verhalten und zum Umweltschutz; hier sind u. a. die Antiraucher- und die Arbeitsschutz-Kampagnen hervorzuheben.

Auf den Plakaten der Kategorien Bildung, Kultur und Freizeit zeigt sich die ganze Bandbreite der künstlerischen Ausdrucksmittel in der Gebrauchsgraphik der DDR. Im Bereich Bildung finden sich u. a. Aufforderungen, den Beruf des Neulehrers zu ergreifen sowie Kampagnen zur beruflichen Qualifizierung. Hervorragende graphische Arbeiten dokumentieren das Unterhaltungs-, Konzert-, Theater-, Verlags- und Literaturwesen, die Museums- und Ausstellungslandschaft, die Filmproduktion, desweiteren laden sie zu zahlreichen Festivitäten ein, wie Künstlerbälle, Weihnachtsmärkte, Volksfeste und Stadtjubiläen. Aus dem Sektor Freizeit seien hier die Plakate erwähnt, die für Reisen in die "sozialistischen Bruderländer" werben, ferner für Sportveranstaltungen oder den Besuch der Zoologischen Gärten. Überwiegend erhielten Plakate aus dem kulturellen Bereich Auszeichnungen im Rahmen des Wettbewerbs "Beste Plakate des Jahres", der seit 1966 jährlich vom Ministerium für Kultur und dem Verband Bildender Künstler Deutschlands (VBKD) veranstaltet wurde und auf die Hebung des künstlerischen Niveaus, vor allem im politischen Plakatschaffen, abzielte. Zudem sollte dieser Wettbewerb die Verbindung zwischen den Künstlern und den gesellschaftlichen Auftraggebern fördern. Einen wesentlichen Anteil an Planung und Durchführung des Wettbewerbs hatte das Museum für deutsche Geschichte (MfDG) in Berlin. Hier befand sich bereits eine hervorragende Plakatsammlung, die den wesentlichen Grundstock für den heutigen Bestand im Deutschen Historischen Museum bildet. Im MfDG wurden die eingesandten Arbeiten nicht nur juriert und ausgestellt, sondern die ausgezeichneten Plakate anschließend auch aufbewahrt. Bereits ein Jahr bevor der nationale Wettbewerb "Beste Plakate" ins Leben gerufen wurde, veranstaltete der VBKD (der spätere VBK-DDR) die erste "Intergrafik". Diese internationale Graphik- und Plakatausstellung, die ab 1967 alle drei Jahre stattfand, widmete sich vorrangig den Themen Frieden, Völkerfreundschaft und Internationale Solidarität. Der politischen Programmatik folgend hatten die Arbeiten aus den sozialistischen Staaten den größten Anteil an der Ausstellung.

Eine interessante Besonderheit ergibt sich aus der Stellung der politischen Gebrauchsgraphik im sozialistischen Staats- und Gesellschaftssystem. Auftrag, Auftragsvergabe und Ausführung standen in enger Beziehung zueinander. Der Gebrauchsgraphiker sollte sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung - nämlich den Erkenntnisprozeß des Betrachters in weltanschaulicher Hinsicht zu befördern - stets bewußt sein. Die von ihm zu entwerfenden Plakate waren wichtige Elemente der Sichtagitation. Die Gestaltung der Werbung für das Staatswesen und dessen Wirtschaftssystem orientierte sich dementsprechend an einer massenwirksamen und volksverbundenen Formensprache. Auftraggeberinstitutionen gab es etliche und auch die Anzahl der Druckereien und Herstellerwerkstätten im Vertriebssystem der DDR war groß, allerdings unterstanden sie der Kontrolle der Zentrag, in der alle wirtschaftlichen Betriebe der SED, einschließlich der Druckereien und Verlage, zusammengefaßt waren, um zum einen die Beschaffung der notwendigen Materialien übergreifend regeln zu können und zum anderen die Kontrolle der einzelnen Betriebe zu erleichtern. Von besonderer Bedeutung waren als Auftraggeber die Regierung mit dem Amt für Information, die SED inklusive ihrer Landes-, Bezirks- und Kreisleitungen, die Massenorganisationen sowie einzelne Institutionen, z. B. die Solidaritätskomitees. Eng angebunden an die SED waren die Einrichtungen, denen in erster Linie die Umsetzung der gebrauchsgraphischen Konzepte und Aufträge oblag: Die DEWAG mit ihren zahlreichen Landes- und Bezirksabteilungen und seit 1975 der Verlag für Agitation und Anschauungsmittel, der aus dem innerhalb der DEWAG 1973 gegründeten Verlag für Agitation und Propaganda hervorging. Neben den größeren Institutionen zeichneten auch Betriebe sowie einzelne Abteilungen und Ausschüsse der Massenorganisationen verantwortlich für Herausgabe und Druck der Plakate. Letzte Entscheidungsinstanz für Plakate, die von den Abteilungen der Partei und/oder von den Massenorganisationen in Auftrag gegeben worden waren, war das Sekretariat des Zentralkomitees (ZK) der SED. Ohne dessen Zustimmung ging keines dieser Plakate in Druck. Eine nicht unwesentliche Rolle für die Förderung des offiziellen Plakatschaffens spielte ebenso der bereits erwähnte Wettbewerb "Beste Plakate des Jahres". Daneben gab es eine Anzahl spezieller Plakatwettbewerbe, die zumeist mit der Vorbereitung politisch-gesellschaftlicher Ereignisse (z. B. Parteitage der SED, Weltfestspiele der Jugend und Studenten) sowie spezifischen Themen (z. B. Internationale Solidarität, Freundschaft zur Sowjetunion) verbunden waren. Im Kultur-, Freizeit- und Ausstellungssektor differierten die Auftraggeber stärker; hier kamen auch einzelne kulturelle Institutionen wie Theater und Galerien als Initiatoren in Frage. Die größere "künstlerische Freiheit" bei der Gestaltung der Plakate aus diesem Bereich spiegelt sich in deren formaler und stilistischer Vielfalt wieder. Zahlreiche Graphiker entwarfen Plakate zu ++den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Themen auch im "Eigenauftrag". Der Staatliche Kunsthandel der DDR hatte ein eigenes "Poster-Programm" entwickelt, das besonders diese - in kleiner Auflage erschienenen - Arbeiten berücksichtigte.

Der Wandel von der vordergründig agitatorisch-propagandistischen Wirkungsabsicht des Plakats - der noch nicht explizit der Anspruch zugrundelag auch unter künstlerischen Gesichtspunkten zufriedenzustellen - hin zu einem visuell ausgefeilten Kommunikationsmedium bedingte eine Veränderung der gestalterischen Form: Die malerische oder zeichnerische, zum Teil recht kleinteilige und an Prinzipien einer realistischen Kunstauffassung angelehnte Gestaltung der 50er Jahre trat seit der Mitte der 60er und vor allem seit den 70er Jahren zugunsten einer Tendenz zum "künstlerisch verallgemeinernden Symbol, zum mehrschichtigen Sinnbild"(2) zurück; das Photo, die Typographie und "signetartige Verdichtungen"(3) gewannen an Bedeutung. Die Montagetechnik, die bereits seit den 20er Jahren durch John Heartfield bekannt und von ihm sowie von Klaus Wittkugel in der frühen DDR weitergeführt worden war, wurde seit den 60er Jahren verstärkt eingesetzt. Variationsbreite der Farbkontraste, Simultanität der Bildebenen und assoziative Gestaltungsweisen belebten die Gebrauchsgraphik zunehmend. Auch im Bereich des politischen Plakats führte diese Entwicklung zu graphisch anspruchsvollen Umsetzungen. Doch dass es auch Unzufriedenheit gab, zeigen Beiträge in den Katalogen zum Wettbewerb "Beste Plakate des Jahres" aus den 80er Jahren. So wurde hier kritisiert, dass die ausgezeichneten Arbeiten, und überhaupt solche aus dem qualitätvollen kulturellen Sektor, nicht im öffentlichen Raum wiederzufinden seien und deren Gestaltungskriterien einen zu geringen Niederschlag in der Plakatproduktion für die politisch-gesellschaftlichen Auftraggeber finden würden.(4)

Die Bedeutung der politischen Werbung und der Gebrauchsgraphik in der DDR schlug sich auch in der Bandbreite der involvierten Berufsgruppen nieder. Im Bereich der Werbung und Ausstellungsgestaltung waren neben den Gebrauchsgraphikern noch Werbegestalter, auch Gebrauchswerber genannt, desweiteren Typographen und Werbeökonomen (z. B. für Werbemethodik, Werberegie, Werbetext) tätig. Hinzugezählt wurden hier ebenso die Drucksachenhersteller, Journalisten (als Texter, Drehbuchautoren für Ausstellungen), Photographen, Ausstellungs- und Innenarchitekten. Im VBKD waren 1966 ca. 1000 Gebrauchsgraphiker erfaßt; dazu kamen noch ca. 280, die nicht dem VBKD angehörten, deren fachliche Qualifikation aber durch den Verband bestätigt worden war. Folgende Institutionen waren in besonderem Maße für die Ausbildung von Werbefachleuten, Gebrauchsgraphikern und Gestaltern zuständig: Die Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin (unter diesem Namen seit 1965),die Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, die Fachschule für angewandte Kunst Berlin-Oberschöneweide, die Fachschule für angewandte Kunst Heiligendamm, die Hochschule für industrielle Gestaltung Burg Giebichenstein bei Halle und die Berufsschulen der DEWAG.

Im folgenden soll aufgezeigt werden, welche Ergebnisse eine weiterführende Quellenforschung zum Plakatschaffen der DDR hervorbringen kann. In den Akten des Zentralen Parteiarchivs der SED in der SAPMO (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv) lassen sich zuweilen ganz direkte Hinweise auf einzelne Plakate finden. Als Beispiel soll hier die Auseinandersetzung um ein Plakat im Rahmen eines Wettbewerbs der UNO von 1982 dienen.

Die UNO schrieb 1981 in Vorbereitung der 2. UN-Sondertagung für Abrüstung im Mai 1982 einen internationalen Plakatwettbewerb aus. Zuvor sollte jedes Mitgliedsland einen nationalen Wettbewerb durchführen. Die Ergebnisse dieses Wettbewerbs, 120 Entwürfe, zeigte die DDR in einer Ausstellung im September 1981 in der Rostocker Kunsthalle. Der Verband Bildender Künstler der DDR hatte alle Gebrauchsgraphiker aufgerufen, sich zu beteiligen und 79 waren dieser Aufforderung gefolgt. Um das Siegerplakat dieses nationalen Wettbewerbs entbrannte eine Kontroverse. Der Jury, unter der Leitung des Gebrauchsgraphikers und Dozenten Axel Bertram, gehörten fünf Gebrauchsgraphiker, jeweils ein Vertreter des Verlags für Agitations- und Anschauungsmittel, des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten (Abteilung UNO) und des Ministeriums für Kultur (Abteilung UNO) an. Zwei Plakate kamen in die engere Wahl: Die signethafte Gestaltung eines Mannes, der ein Gewehr zerbricht, von Gerhard Voigt (Titel: "Unser Vorschlag gilt: Wir sind dialogbereit für Frieden und Abrüstung", Inventar-Nr.: P 90/1150) und ein Plakat von Gerda Dassing, das einen Blick aus dem All auf die in leuchtendem Feuer untergehende Erde zeigt (Titel: "the last photo", Inventar-Nr.: P 90/1141). Da das letztgenannte Plakat nach Dafürhalten der Jury allzusehr Assoziationen von " schönen Untergang" auslöste, favorisierte man das Plakat von Voigt, der sich den zweiten Platz mit Gerda Dassing teilte. Ein erster Preis wurde nicht vergeben. Doch eine ADN-Meldung vom 7. September 1981 formulierte Bedenken, dass das Zerbrechen eines Gewehres mißverständlich sein und Haltungen gegen die DDR-Maxime des "bewaffneten Friedens" heraufbeschwören könnte. Diesen Bedenken begegnete Ursula Ragwitz von der Abteilung Kultur des ZK der SED in einer Hausmitteilung an Kurt Hager, Sekretär für Volksbildung und Kultur beim ZK der SED, vom 16. September 1981. Hier verwies sie darauf, dass das Motiv lediglich symbolisch für die Forderung nach Abrüstung stehe. Als Voigts Plakat beim internationalen Wettbewerb in New York den ersten Preis erhielt, bedeutete dies allerdings nicht, dass seine Verbreitung für die DDR geplant worden wäre. Dass es veröffentlicht wurde, ging zurück auf die Initiative kirchlicher Kreise in der DDR, die der Friedensbewegung nahestanden. Angeblich hatten sie das Plakat ohne die Zustimmung Voigts herausgebracht. In diesem Zusammenhang erfolgten von staatlicher Seite einige Gespräche mit Gerhard Voigt. Die Abteilung Kultur des ZK der SED machte den Vorschlag, ein Interview mit Gerhard Voigt zu führen, dessen Tenor sein solle, dass sich das Plakat nicht prinzipiell gegen Waffen im Sinne eines allgemeinen Pazifismus richte, sondern vielmehr eine Aufforderung zur Beendigung des Wettrüstens und zur Abrüstung sei.(5) Einige Jahre später wurden beide Plakate auf der Ausstellung zum Wettbewerb "100 beste Plakate 1988" gezeigt.

Allein diese Diskussion zeigt die Bedeutung, die Plakate für den meinungsbildenden Prozeß und die persuasiven Strategien der DDR hatten, auch zu Zeiten, als längst der Deutsche Fernsehfunk das Hauptmedium zur Verbreitung politischer, kultureller und wirtschaftlicher Informationen geworden war. Diese CD-ROM liefert die differenzierte dokumentarische Basis für eine weitere historische Forschung, die sowohl visuelle Darstellungsmuster der politischen Kultur und der gesellschaftlichen Repräsentationen der SBZ/DDR, als auch eine Überschau der Bildtraditionen, denen der sozialistische Staat verpflichtet war, beinhalten könnte.

Derzeit sind drei Dissertationen zum Plakat der DDR im Entstehen begriffen. "Die sowjetische Plakatkunst der ersten drei Fünfjahrpläne 1928-1941 und ihre Rezeption in den frühen Plakatkampagnen der SBZ/DDR" heißt der Arbeitstitel von Nicola Hille, Karlsruhe. Die politische Ikonographie der Bildpropaganda behandelt die Arbeit von Katharina Klotz, Humboldt-Universität in Berlin, zur "Sichtagitation im Kalten Krieg - das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963". Sylke Wunderlich legt in ihrer Dissertation "Plakatkunst der DDR 1949-1969", an der Leipziger Universität, den Schwerpunkt auf die Untersuchung der künstlerischen Gebrauchsgraphik und der Plakatwettbewerbe.

--- Titel vergriffen/nicht mehr lieferbar ---

Systemanforderungen

  • Microsoft Windows 98, Windows NT 4.0 Service Pack 6a, Windows 2000, XP
  • Microsoft Internet Explorer 5.0, 6.0
  • CPU mit 133 Mhz Taktfrequenz, 32 MB RAM (64 MB empfohlen)
  • 30 MB freier Festplattenspeicher
  • 800 x 600 Pixel/16 Bit (minimal)
  • CD-ROM Laufwerk
  • Unter Microsoft Windows NT, 2000 oder XP sind systemadministrative Rechte zur Installation der CD erforderlich.

Zuletzt aktualisiert: 11.03.2009 · Heekyung Reimann

 
 
 
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