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Katalog der Zeichnungen

Die Kunstsammlung der Universität Göttingen

Die Kunstsammlung der Universität Göttingen hat ihren Ursprung in zwei Stiftungen des 18. Jahrhunderts. 1770 gelangte die Sammlung des Frankfurter Patriziers Friedrich Armand von Uffenbach an die noch junge Georgia Augusta. 1796 folgte ihr die Sammlung des Sekretärs am Oberappelationsgericht Celle Johann Wilhelm Zschorn mit etwa 280 Gemälden vorwiegend niederländischer Künstler.

Seit ihren Gründungsjahren dient die Kunstsammlung der Universität Göttingen der Ausbildung. Sollte sie anfangs zur ästhetischen Erziehung der Studierenden beitragen, so wurde sie seit Anfang des 19. Jahrhunderts zuerst durch Johann Dominicus Fiorillo gezielt als Anschauungsmaterial im kunsthistorischen Unterricht eingesetzt. Seit nahezu 30 Jahren dient sie auch der praktischen Ausbildung, was sich in den Katalogen einer größeren Zahl von Ausstellungen niedergeschlagen hat, die von Studierenden und Lehrenden gemeinsam erarbeitet wurden. Auch diese CD-ROM ist das Ergebnis eines solchen über die theoretische Ausbildung hinausgehenden Zusammenwirkens.

Wie ist die Sammlung in ihrem ursprünglichen Zuschnitt zu charakterisieren? Während Zschorn mit bescheidenen Mitteln und ohne weitere Ambitionen sich zum eigenen Vergnügen eine Gemälde-"Galerie" zugelegt hatte, vertritt Uffenbach noch den Typ des barocken Universalgelehrten. So trug er Zeichnungen und Drucke mit dem Ziel zusammen, eine Geschichte der Graphik zu schreiben, die als Fragment überliefert ist. Neben die Druckgraphik traten Zeichnungen und wertvolle Bücher, darunter architektonische Stichwerke, in denen sich das berufliche Interesse des Baumeisters Uffenbach wiederspiegelt. Eine ansehnliche Sammlung von Münzen und Medaillen gehört dazu, eine Sammlung von wissenschaftlichen Instrumenten und Modellen. Das ganze fügt sich zu einer Kunst- und Wunderkammer, und so wurde Uffenbachs Stiftung seit dem späten 18. Jahrhundert auch präsentiert: Im Königlichen Academischen Museum, zusammen mit den Gemälden, mit anatomischen Raritäten, mit völkerkundlichen Objekten, die Captain Cook von seinen Reisen mitgebracht und die das englische Königshaus der Georgia Augusta überwiesen hatte; mit der Sammlung des Baron von Asch, der russische Graphik und Ikonen sowie Ethnographica aus dem sibirisch-nordasiatischen Raum nach Göttingen gegeben hatte.

Katalog der Zeichnungen

Die Konzentration Zschorns auf niederländische Bilder mag seinen Geschmack wiederspiegeln, wohl aber auch seine beschränkten finanziellen Möglichkeiten. Der wohlhabendere Uffenbach konnte in einem breiter angelegten Rahmen sammeln, aber auch er konzentrierte sich auf Niederländer, dazu auf Altdeutsche. Für die Gemälde und Zeichnungen gilt, dass die herausragenden Namen den Möglichkeiten der beiden Sammler letztlich entzogen waren. Dennoch ist das Zusammengetragene beachtlich, und eine Vielzahl von Meistern neben den ganz Großen sind mit guten Stücken vertreten. Zudem erlaubt die vorliegende CD-ROM die Rekonstruktion der überlieferten Zeichnungssammlung Uffenbachs und gewährt damit erstmals einen Einblick in ein bisher kaum bekanntes Kapitel der Sammlungs- und Geschmacksgeschichte im 18. Jahrhundert.

Das Academische Museum und damit auch die heutige Kunstsammlung war anfangs Teil der Universitätsbibliothek und wurde von deren Direktor Christian Gottlob Heyne betreut. Das änderte sich, als 1781 Johann Dominicus Fiorillo, dem hier ausführlicher gedacht sei, die Stelle des Universitäts-Zeichenlehrers antrat. Bis zu diesem Zeitpunkt wissen wir wenig über sein Leben. Der Sohn eines italienischen Musikerpaares wurde 1748 in Hamburg geboren. Als 13jähriger trat er bei Pompeo Batoni in Rom in die Lehre. Später ist er als Historienmaler am Braunschweiger Hof angestellt. Des Lotteriebetruges überführt, wurde er im Mai 1781 zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt, nach Monaten jedoch begnadigt und aus Braunschweig verwiesen. Er ließ sich in Göttingen nieder, immatrikulierte sich als Student der Mathematik und wurde wenig später von der Universität angestellt.

Von Beruf Maler, hatte er die Studenten im Zeichnen zu unterrichten. Diese Kulturtechnik war im vorphotographischen Zeitalter weit höher zu bewerten und stand den täglichen Bedürfnissen nach bildlicher Information und Dokumentation weit näher als heute.

Seit 1784 stand Fiorillo den Kunstsammlungen vor, und etwa in der gleichen Zeit begann er, kunsthistorische Vorlesungen zu halten. Auch begann er in diesen Jahren eine ausgiebige schriftstellerische Tätigkeit: Er verfaßte neben mancherlei kleineren Aufsätzen eine fünfbändige Geschichte der zeichnenden Künste sowie ein vierbändiges Werk über deutsche und niederländische Kunst sowie den bereits erwähnten Katalog der Gemäldegalerie und ein handschriftliches Verzeichnis der Drucke und Zeichnungen in zehn Folianten.

Der wissenschaftliche Ertrag von Fiorillos Schriften ist schwer zu bewerten. Goethe mochte sie nicht, aber das, was Fiorillo vorlegte, war eine kenntnisreiche und solide Schilderung der Abfolge von Schulen und ihrer stilistischen Merkmale. Und das zeichnet Fiorillo aus, denn er löste die Kunstliteratur aus ihrer traditionellen, philologisch-archäologischen Bindung und stellte das Sehen in den Vordergrund. Die Georgia Augusta war die erste Universität überhaupt, an der die Kunstgeschichte sich als eigenständiges akademisches Fach von der Altertumskunde löste.

Ursächlich für diesen Schritt war die Tatsache, dass die Göttinger Universität durch die beiden Stiftungen einen in doppeltem Sinne ansehnlichen "Apparat" von Werken der Bildenden Kunst besaß, der es Fiorillo ermöglichte, seine Vorlesungen mit Anschauung zu erfüllen. Von ihm und von der Göttinger Sammlung gingen maßgebliche Impulse auf führende Köpfe der deutschen Frühromantik aus. So haben Ludwig Tieck und Wilhelm Wackenroder bei Fiorillo studiert und dabei, wie der Lehrer berichtet, die Köpfe eifrig über ihnen vorgelegte Blätter gebeugt. Manches davon mag auf dieser CD-ROM zu sehen sein.

Die Bestände der Kunstsammlung waren nie statische Instrumente der Ausbildung allein. Sie wurden schon früh der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wie bereits Zschorn es für seine Gemälde bestimmt hatte. Unter den Betreuern der Sammlung, zu denen nach Fiorillo zuerst Carl Oesterley, später August Schmarsow, Konrad Lange, Wolfgang Stechow, Hans Wille und Konrad Renger zählten, wuchsen die Bestände kontinuierlich an - durch gelegentliche Ankäufe, vor allem aber durch Stiftungen, unter denen in neuerer Zeit die bedeutenden Schenkungen Ursula und Wolfgang Stechows sowie eines ungenannt bleibenden Freundes der Sammlung besonders hervorzuheben sind.

Der Dank der Sammlung gilt all jenen, die durch Überlassung von Kunstwerken oder Geldmitteln zu ihrem Ausbau beigetragen haben. Auf diese Weise konnten Lücken im Uffenbachschen und Zschornschen "Urbestand" gefüllt und das, was da vorhanden war, bis in die Klassische Moderne zeitlich fortgeführt werden.

Wenn wir nun den Gesamtbestand der Zeichnungen auf einer CD-ROM präsentieren können, so haben wir einigen Personen und Institutionen besonders zu danken, die im Hintergrund gewirkt haben:

Der Volkswagen-Stiftung, die das finanzielle Fundament legte; Lutz Heusinger und seinem Team vom Bildarchiv Foto Marburg, die uns zuerst mit den Geheimnissen von HIDA MIDAS vertraut machten und dann das Entstehen dieser CD-ROM in jeder Weise hilfreich begleiteten; schließlich jenen Kolleginnen und Kollegen, die bei der wissenschaftlichen Erschließung unschätzbare Hilfe leisteten. Genannt seien Sonja Brink (Düsseldorf), Remmelt Daalder (Rotterdam), Thomas Döring (Braunschweig), Eef Overgaauw, Fiammetta Palladini und Gero Seelig (Berlin), Anne-Charlotte Steland (Göttingen) sowie die Mitarbeiter des Rijksbureau voor kunsthistorische Documentatie in Den Haag, insbesondere Charles Dumas.

Gerd Unverfehrt

--- Titel vergriffen/nicht mehr lieferbar ---

Systemanforderungen

  • Microsoft Windows 98, Windows NT 4.0 Service Pack 6a, Windows 2000, XP
  • Microsoft Internet Explorer 5.0, 6.0
  • CPU mit 133 Mhz Taktfrequenz, 32 MB RAM (64 MB empfohlen)
  • 30 MB freier Festplattenspeicher
  • 800 x 600 Pixel/16 Bit (minimal)
  • CD-ROM Laufwerk
  • Unter Microsoft Windows NT, 2000 oder XP sind systemadministrative Rechte zur Installation der CD erforderlich.

Zuletzt aktualisiert: 09.03.2009 · Heekyung Reimann

 
 
 
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