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Vita

Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Mittel- und Neulateinischen Philologie an der Freien Universität Berlin. Promotion 1992, Habilitation 1998, seither Privatdozent, Lehre der Mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kunstgeschichte und Durchführung mehrerer Forschungsprojekte.

  • 1990-92 Promotionsstipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • 1992-1994 Postdoktorandenstipendium der DFG
  • 1994-1996 Habilitationsstipendium der DFG
  • 1997-1999 Habilitationsstipendium der Kalkhoff-Rose-Stiftung (Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz)
  • 2001-2002 Vertretung des Lehrstuhls für Italienische Kunstgeschichte am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin
  • 2002-2004 Forschungsprojekt DFG:
    „Deutsche Humanisten des 16. Jahrhunderts und die Kunst – Humanisten als Auftraggeber, Sammler, Berater und Konzeptoren.“
  • 2005-2007 Forschungsprojekt DFG:
  • „Bildzyklen, Ausstattungsprogramme und ihre publizierten Erklärungen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.“
  • seit 2007 Forschungsprojekt DFG:
    „Die Rezeption mittelalterlicher Kunst vor 1700 in Deutschland. Restaurierung, Inszenierung, Inanspruchnahme, Reproduktion, antiquarische Dokumentation und Erklärung mittelalterlicher Bau- und Kunstwerke im 16. und 17. Jahrhundert.“
  • Okt. 2009-März 2010 Vertretung des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Frühen Neuzeit (Prof. Roland Kanz) an der Universität Bonn
  • Seit April 2010 Forschungsprojekt DFG: „Mittelalterliche Kunst im Bild. Form, Funktion und Rezeption bildlicher Darstellungen mittelalterlicher Kunst in der frühen Neuzeit“ in Zusammenarbeit mit Christian Bracht und Hubert Locher am Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Foto Marburg.
  • Mai 2010 Preis der Freunde des Instituts für Kunstgeschichte Florenz.

Forschung

Kunstgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit

Forschungsschwerpunkte:

Kunst des Mittelalters und der Frühen Neuzeit vor allem Deutschland und Italiens mit dem Ziel umfassender historischer Kontextualisierung der Objekte, der funktionalen, sozial- und frömmigkeitsgeschichtlichen Rahmenbedingungen unter Heranziehung schriftlicher Quellen. Prozesse der Konzeption und Ausführung, Zeugnisse historischer Rezeption in Verbindung mit Problemen moderner Interpretation und die Rolle funktionaler und historischer Bedingungen für die künstlerische Gestaltung stehen im Vordergrund. Bevorzugte Gattungen und Themenbereiche sind Bildzyklen und Bildprogramme, liturgische Ausstattung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Kirchen, Grabmäler und Grablegen, Malerei des 15. – 17. Jahrhunderts, Buchgraphik, Bild und Wissenschaft, Kunst und Protestantismus, Kunst in der Literatur.

Forschungsprojekte:

Deutsche Humanisten des 16. Jahrhunderts und die Kunst – Humanisten als Auftraggeber, Sammler, Berater und Konzeptoren.

Gegenstand des Projektes ist das Verhältnis deutscher Humanisten zur Kunst ihrer Zeit. Menge und Qualität des Materials zwingen zur Eingrenzung auf die Umbruchsphase zwischen 1490 und 1530, in der die Ideen des Humanismus in Deutschland die Oberhand gewannen und in der Kunst sich die Verwendung italienischer Vorbilder und antiker Themen durchsetzte. Die exemplarische Untersuchung gut dokumentierter Beispiele wird, konzentriert auf die Fragen nach persönlichem Kunstbesitz, Stiftungen, Aufträgen und Kunstinteresse, drei Schwerpunkte behandeln: 1. Conrad Celtis und die bildende Kunst; 2. Grabmäler und Epitaphien deutscher Humanisten; 3. deren Tätigkeit als gelehrte Berater und Entwerfer ikonographischer Programme. Eine erstmalige systematische Behandlung der Kunstwerke, der bisher meist vernachlässigten Schriftzeugnisse und des historischen Kontextes aus dieser Perspektive verspricht wichtige Erkenntnisse zu verschiedenen kunsthistorischen Problemen und dem Beziehungsgeflecht von Auftraggeber, Künstler, Werk und Rezipienten.

Gefördert von der DFG 2002-2004.

Bildzyklen, Ausstattungsprogramme und ihre publizierten Erklärungen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Zeitgenössische Kunsterklärungen und kunsthistorische Interpretationen im Vergleich.

Erklärungsschriften frühneuzeitlicher Bildzyklen und Ausstattungsprogramme eröffnen den Blick der Zeitgenossen auf Kunstwerke, zeigen, welche Aspekte erklärungsbedürftig, umstritten oder hervorhebenswert waren. Intentionen der Auftraggeber und erklärenden Literaten - mitunter der Künstler selbst - werden deutlich und bestimmen Form, Anspruch und Gehalt der Texte, ermöglichen ein Verständnis der Kunstwerke in historisch relevanten Kategorien. Aus Kunstwerken und erklärenden Texten destillierte historische Sichtweisen und Interpretationen lassen sich mit kunsthistorischen Analysen, die nur in Ausnahmen auf diese Quellen zurückgreifen, kontrastieren. Notwendig ist die Erfassung früher und wichtiger Beispiele, formaler und inhaltlicher Charakteristika, des historischen Kontextes und der Funktion sowie literarische und funktionale Typisierung der Texte - vom Flugblatt bis zur gelehrten Buchpublikation. Interessen, Intentionen und avisierte Rezipienten sowie Methoden, Kategorien und Veränderungen sind zu erfassen. Die Aufarbeitung einer kaum beachteten Quellengattung unter kunsthistorischen und literaturgeschichtlichen Fragestellungen und Methoden mit direktem Bezug auf die Bildzeugnisse verspricht Erkenntnisse über Kunstwerke und Aufschlüsse zur historischen Relevanz kunsthistorischer Methoden und Denkmuster.

In Zusammenarbeit mit Magistranden und Doktoranden, gefördert von der DFG 2005-2007.

Die Rezeption mittelalterlicher Kunst vor 1700 in Deutschland. Restaurierung, Inszenierung, Inanspruchnahme, Reproduktion, antiquarische Dokumentation und Erklärung mittelalterlicher Bau- und Kunstwerke im 16. und 17. Jahrhundert.

Mittelalterliche Kunstwerke wurden in Deutschland während des 16. und 17. Jahrhunderts erneuert, ergänzt, transportiert, umgesetzt, verkauft und neu inszeniert, aber auch in Bild und Beschreibung dokumentiert; all dies unterschiedlich motiviert, in repräsentativer Inanspruchnahme und inhaltlicher Umdeutung den Erhalt bewirkend, doch von der Forschung kaum beachtet und nicht übergreifend erfaßt. Man inszenierte hochmittelalterliche Ausstattungsstücke in Kirchenneubauten, verwendete gezielt hochgotische Figuren und Architekturteile zur Errichtung von Altären, versetzte, ergänzte und kopierte Grabmäler und Kirchenportale, ließ Goldschmiedewerke in Zeichnung und Gemälde abbilden. Den praktisch-künstlerischen Umgang mit den Monumenten begleitet häufig eine bisher wissenschaftlich unbemerkte, in Deutschland bereits lange vor Mabillons Initiativen einsetzende antiquarische Behandlung: Mittelalterliche Grabmäler wurden seit dem frühen 16. Jahrhundert beschrieben, gezeichnet, im Kupferstich reproduziert, hochmittelalterliche Kirchen und ihre Ausstattungstücke seit Anfang des 17. Jahrhunderts durch gedruckte Kirchenführer erschlossen, Skulpturenportale abgebildet, illuminierte Handschriften katalogisiert und faksimiliert. Motive, Intentionen und Methoden, historisch und konfessionell bedingte Unterschiede des kaum erforschten frühneuzeitlichen Umgangs mit mittelalterlichen Kunstwerken in Deutschland sollen in Beispielen analysiert und verglichen, Tendenzen und Veränderungen im größeren Vergleichskontext verfolgt und durch Abgleich mit gut erfaßten italienischen und französischen Exempeln bewertet werden. Praktischer Umgang mit und antiquarisch-gelehrte Behandlung von mittelalterlichen Kunstwerken im frühneuzeitlichen Deutschland sollen erstmals übergreifend erfaßt, vorgestellt und exemplarisch untersucht werden.

Förderung durch DFG ab September 2007

Mittelalterliche Kunst im Bild. Form, Funktion und Rezeption bildlicher Darstellungen mittelalterlicher Kunst in der frühen Neuzeit.

Trotz kunsttheoretischer Geringschätzung wird mittelalterliche Kunst im 16. und 17. Jahrhundert bildwürdig. Nicht nur zeitnahe und kontinuierlich geschätzte Malerei und Skulptur des 15. Jahrhunderts, sondern gerade auch früh- und hochmittelalterliche Werke wurden gezeichnet, gestochen, gemalt, sogar plastisch reproduziert und als Anregung neuer Werke rezipiert. Bereits vor Mabillon und jenen bislang allein wahrgenommenen italienischen Unternehmungen geschah dies im Reichsgebiet für adelige und patrizische Auftraggeber, vermehrt in lutherischen Territorien, meist genealogisch motiviert, nach Wegfall geistlicher Memoria im Dienst medial neu zu gestaltender Repräsentation und Traditionswahrung, einhergehend mit historisch-antiquarischen Unternehmungen. Auf Grundlage bereits durchgeführter Untersuchung zur Inszenierung, funktionalen Umdeutung, Inanspruchnahme und antiquarischen Interpretation liturgischer Ausstattungen, Grabmäler und Grablegen vor 1700 muß nun geklärt werden, wie, wozu, in welchen Formen und Transformationen mittelalterliche Architektur, Skulptur, Goldschmiedekunst und Buchmalerei gezeichnet, gestochen, gemalt oder plastisch reproduziert wurde, welche Intention und Funktion im Einzelfall Darstellungen motivierte und modal prägte, auch welche Motive, formalen und thematischen Charakteristika künstlerisch zur Generierung bildlicher Topoi für „mittelalterlichen“ Anschein genutzt wurden. In methodischer Umgewichtung gegenüber vorangegangener Untersuchung wird hier erstmals bildkünstlerischer Umgang mit mittelalterlicher Kunst vor 1700 in Deutschland untersucht, zugleich die bislang unbeachtete Frühgeschichte bildlicher Dokumentation und visueller Memorialpraxis erfaßt.

Das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg bietet institutionelle Heimat, administrative Unterstützung und ermöglicht Erstellung einer themenspezifischen Bilddatenbank. Gesammelte Bildzeugnisse sowie antiquarische Schlüsseltexte werden digitalisiert und aufbereitet im Internet zur Verfügung gestellt. Es entsteht so neben der Buchpublikation ein wichtiges und umfängliches Forschungsinstrument für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung, zugleich ein Bildcorpus zur Frühgeschichte moderner bildlicher Dokumentation.

Förderung durch die DFG seit April 2010.


Publikationen

Monographien:

  • Versus ad picturas - Studien zur Titulusdichtung von der Antike bis zum Hochmittelalter als Quellengattung der Kunstgeschichte von der Antike bis zum Hochmittelalter, München 1997.
  • Architektur- und Kunstbeschreibungen von der Antike bis zum 16. Jahrhundert, Berlin / München 2004. Besprochen von W. Sauerländer, „Wort und Bild im Wettstreit“, in FAZ, 4.5.2005, S. N 4.
  • Kunstliteratur in Antike und Mittelalter. Eine kommentierte Anthologie. Quellen zur Theorie und Geschichte der Kunstgeschichte, hrsg. v. Hubert Locher, Bd. I, Darmstadt 2008.

Aufsätze:

  • Die Deckelinschrift des Berliner Kindersarkophages. Eine sardische Zweitverwendung eines stadtrömischen Sarkophagkastens, in: Jahrbuch für Antike und Christentum 32, 1989, S. 141-150.
  • Eine Perle für das Haupt Leons VI. - Epigraphische und ikonographische Untersuchungen zum sogenannten Szepter Leons VI., in: Jahrbuch der Berliner Museen N.F. 32, 1990, S. 69-84.
  • Die Namenliste des Berliner Christus-Maria-Diptychons, in: Jahrbuch für Antike und Christentum 36, 1993, S. 134 -139.
  • Studien zum Klosterneuburger Ambo und den theologischen Quellen biblischer Typologien von der Spätantike bis 1200, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 48, 1995, S. 9-41.
  • Artikel „Nicolaus von Verdun“, in: NDB
  • Mittelalterliche Beschreibungen der Grabeskirche in Jerusalem, Vortrag bei den Colloquia Academica der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz im Juli 1997, erschienen in: Colloquia Academica - Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, Stuttgart 1998, S. 7-43.
  • Das Titelbild der Tabulae Rudolphinae des Johannes Kepler. Entwurf, Ausführung und dichterische Erläuterung einer Wissenschaftsallegorie, in: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft 54/55, 2000/1, S. 176–198. Besprochen von M. Thimann, in: FAZ, Nr. 167, 21.07.2004, S. N 3
  • Das Bild als Rätsel? Zur Vorstellung des versteckten Bildsinns von der Antike bis zum 17. Jahrhundert, in: Münchener Jahrbuch der bildenden Kunst 53, 2002, S. 103–162.
  • Dürers Buchprojekte von 1511. Erbauungsbücher für ein humanistisches Publikum, in: Marburger Jahrbuch 31, 2004, S. 145-173.
  • Mittelalterliche Architektur im Blick zeitgenössischer Betrachter. Literarische Funktion und kunsthistorischer Quellenwert mittelalterlicher Kunstbeschreibungen, in: Bauen als Kunst und historische Praxis. Architektur und Stadtraum im Gespräch zwischen Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaft (Göttinger Gespräche zur Geschichtswissenschaft 26), hrsg. S. Schweizer u. J. Stabenow, Göttingen 2006, S. 85-122.
  • Vasaris unverständliche Bilder. Funktion und Intention verrätselter Bilderfindungen, in: Von Kunst und Temperament, Festschrift für Eberhard König, hrsg. v. C. Zöhl u. M. Hofmann, Turnhout 2007, S. 23-35 (Teilpublikation der Ergebnisse des Forschungsprojektes „Bildzyklen, Ausstattungsprogramme und ihre publizierten Erklärungen).
  • Artikel in RGG: „Ikonographie“; „Johannes der Täufer, kunstgeschichtlich“; „Johannesapokalypse, kunstgeschichtlich“; „Kreuzweg, kunstgeschichtlich“; „Oranten, kunstgeschichtlich“; „Orpheus, kunstgeschichtlich,“; „Propheten, kunstgeschichtlich.“
  • Barockisierung, Inszenierung und stiftische Tradition. Ausstattung und Nutzung der Quedlinburger Stiftskirche in der Frühen Neuzeit, in: Kaiserlich – frey – weltlich. Das Reichsstift Quedlinburg im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, hg. von Clemens Bley u. a., Halle 2009, S. 189–208.
  • Inszenierung, Inanspruchnahme und antiquarische Erklärung. Beispiele der Rezeption mittelalterlicher Kunst in Deutschland vor 1700, erscheint in: Marburger Jahrbuch für Kunstgeschichte, in: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft36, 2009, S. 185-215.

Demnächst erscheinen:

  • Grabmäler deutscher Humanisten im frühen 16. Jahrhundert.
  • Luthers Epitaphien. Luther-Memoria und Epitaphgestaltung im Umfeld der Wittenberger Universität.

Zuletzt aktualisiert: 17.06.2010 · Heekyung Reimann

 
 
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