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Galerie der besonderen Bilder

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Otto Ubbelohde, Flusslandschaft im Sommer, um 1912, Öl/Leinwand, Kunstmuseum Marburg. Aufnahme: Bildarchiv Foto Marburg, Thomas Scheidt 2017 (Aufn.-Nr. fmd498036)

Nah und fern – Zum 150. Geburtstag von Otto Ubbelohde

2017 jährt sich der Geburtstag des Marburger Malers und Graphikers Otto Ubbelohde (05.01.1867 – 08.05.1922), zum 150. Mal. Aus diesem Anlass ist dem Künstler eine große Werkschau gewidmet, die in Kooperation zwischen dem Marburger Kunstverein, der Otto-Ubbelohde-Stiftung und dem Marburger Museum für Kunst und Kulturgeschichte entstand. Das Bildarchiv Foto Marburg unterstützte die Kooperation u.a. durch Aufnahmen ausgewählter Werke für die 48-seitige Begleitpublikation zur Ausstellung. Die vom 22. September 2017 bis zum 09. November 2017 laufende Jubiläumsausstellung versammelt unter dem Titel „nah und fern“ rund 100 Gemälde, Ölskizzen und Graphiken Ubbelohdes und rückt dabei das Thema der Landschaft in den Fokus.

Die Darstellung der Natur kann als das zentrale Lebensthema des Künstlers benannt werden, Landschaftsmotive finden sich sowohl in seinen Auftragsarbeiten, wie z.B. den berühmten Federzeichnungen zu den „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm, als auch verstärkt in seinen zahlreichen freien Werken. Vorlagen für seine Bilder fand er überwiegend im Marburger Raum und bei Goßfelden, wohin Ubbelohde, nach Stationen in Worpswede und München, mit seiner Frau Hanna im Jahr 1899 gezogen war.

Auch das hier abgebildete Gemälde zeigt einen unweit seines Wohn- und Atelierhauses gelegenen Ort, eine Partie an der Lahn bei Sarnau. Mehr als die Hälfte der Bildfläche nimmt die Spiegelung von Himmel und Bäumen auf der Wasseroberfläche ein. Spiegelmotive, ein menschenleerer Bildraum mit wie zu skulpturalen Objekten gebildeten Baumformationen und gravitätisch darüber ziehenden Wolkenbergen, eine differenzierende, gelegentlich pastos auftragende Pinselführung und spannungsgeladene Massenverteilungen im Raum bilden nicht nur hier das künstlerische Thema, sie ziehen sich als Bild- und Stilelemente leitmotivisch durch Ubbelohdes Werk, das es neu zu entdecken gilt.

Ausstellung Nah und fern. Der Landschaftsmaler und Graphiker Otto Ubbelohde
22. September – 09. November 2017
Marburger Kunstverein, Gerhard-Jahn-Platz 5, 35037 Marburg

Marburger Kunstverein
Marburger Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Otto-Ubbelohde-Website

Galerie der besonderen Bilder

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Neue Messe Düsseldorf, Verwaltungshochhaus, Architekt: Heinz Wilke, Fertigstellung 1970, Aufnahme: Helmut Trexler, 1971

Systemstahl und Strukturbeton – Die Architektur von Heinz Wilke dokumentiert in Fotografien von Helmut Trexler

Die im Auftrag des Hannoveraner Architekturbüros Wilke zwischen 1960 und 1990 angefertigten Fotografien Helmut Trexlers umfassen ein Konvolut von etwa 11.500 Aufnahmen. Dieser Bestand wurde Anfang 2016 als Schenkung an das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg übergeben und bildet den Anlass für die Ausstellung Systemstahl und Strukturbeton.

Das Schaffen des Architekten Heinz Wilke (1927 - 1992) ist hauptsächlich durch die Realisierung komplexer Großprojekte wie der Neuen Messe Düsseldorf, 1970 oder dem bauzeitlich innovativen Flughafen Hannover-Langenhagen, 1973 gekennzeichnet. Auf die logistischen Anforderungen eines stetig wachsenden Fluggastbetriebs in den 1960er und 1970er Jahren reagierte Wilkes Planung für den Flughafen Hannover-Langenhagen mit einem Flughafen der kurzen Wege durch dezentralisierte Fluggastabfertigung und konsequente Trennung von Ankunfts- und Abflugebenen. Wilkes Stahl- und Betonbauten weisen ihn in Hinblick auf Baumassengliederung, Fassadengestaltung und Detailgenauigkeit als Vertreter einer qualitätvollen Spätmoderne aus.

Die Aufnahme fm1912774 aus dem Jahr 1971 zeigt das Verwaltungshochhaus der Neuen Messe Düsseldorf. Der Stahlbau lässt in seiner Fassadengestaltung eine Nähe zu der amerikanischen Schaffensphase Mies van der Rohes ab 1938 erkennen, dessen klassisch moderne, funktionalistische Diktion hier offensichtlich Vorbild war.

Der Peiner Fotograf Helmut Trexler (1927 - 2004) begleitete Wilkes Bauvorhaben langfristig und in enger Zusammenarbeit mit dem Architekten. Er setzte dabei nicht nur das fertiggestellte Gebäude repräsentativ ins Bild, sondern seine Fotografien machen die gesamte Entwicklungsphase der Projekte von der Anfertigung der Planungsmodelle über die Erstellung des Rohbaus bis zur Inbetriebnahme nachvollziehbar. In zahlreichen Veröffentlichungen prägen die Aufnahmen Helmut Trexlers die zeitgenössische Wahrnehmung der Architektur Heinz Wilkes. Zugleich bilden sie heute eine wichtige Quelle zu Wilkes Architektur, die oftmals mit der Zeit überformt wurde oder, wie der 1969 in Hannover fertiggestellte Verwaltungsbau des Landesarbeitsamt Niedersachsen Bremen, 2015 einer Neuentwicklung des Grundstücks weichen musste. Das überlieferte Bildmaterial repräsentiert sowohl den dokumentierenden als auch interpretierenden Blick des Fotografen.

Ausstellung Systemstahl und Strukturbeton
15.11. bis 07.12.2016
Helmkehof, Helmkestr. 5a, 30165 Hannover

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Berlin, Kaiser-Wilhelm-Straße, Geschäftshaus Dierig, Otto Rudolf Salvisberg, 1928. Foto: Bildarchiv Foto Marburg, Transocean-Archiv, Aufnahme 1930/1932 (Glasnegativ 13 x 18 cm, Neg.-Nr. 822.802)

Zerstört, verbaut, vergessen: Architektur der Zwischenkriegszeit aus dem Bildarchiv der Agentur Transocean

1928 baute Otto Rudolf Salvisberg das Geschäftshaus Kaiser-Wilhelm-Straße, Ecke Spandauer Straße zur Berliner Geschäftszentrale der Christian Dierig AG um. Heute nur mehr wenigen bekannt, war Salvisberg in den 1920er Jahren einer der begehrten Architekten Berlins und von der zeitgenössischen Kritik vielfach lobend besprochen. Sein Œuvre umfasst eine große Bandbreite an Bauaufgaben und formal sehr unterschiedliche Lösungen.

Als hervorstechend können seine Büro- und Geschäftsbauten der späteren Zwanzigerjahre angesehen werden. Das Geschäftshaus Dierig zeigt mit seinen umlaufenden Brüstungs- und Fensterbändern eine klare Horizontalschichtung, die von den Profilen des markanten, kupferblechverkleideten Traufgesimses mit asymmetrischer Eckbetonung aufgenommen wird. Eine Nähe zu Erich Mendelsohns Geschäftsbauten ist erkennbar.

Die Aufnahme zeigt das – im Zweiten Weltkrieg zerstörte - Gebäude im Kontext der älteren Bebauung an der Kaiser-Wilhelm-Straße, wodurch die Modernität der Architektur besonders hervorgehoben wird. Sie entstammt einem 15.000 Negative umfassenden Bestand, der als Teil des umfangreicheren Bildarchivs der Nachrichtenagentur Transocean 1978 an das Bildarchiv Foto Marburg übertragen wurde. Die überwiegend zwischen den Weltkriegen in Deutschland entstandenen Aufnahmen zeigen querschnittartig Architektur und Städtebau, dokumentieren aber auch Ausstellungen, Fahrzeuge, Berufsbilder, Freizeitbeschäftigungen und vieles mehr. So erzeugt der Bestand ein kaleidoskopartiges Bild des Deutschlands der Zwischenkriegszeit.

Ein besonderer dokumentarischer Wert kommt den Aufnahmen solcher Architekturen zu, die - wie die Aufnahmen selbst - in der Zeit zwischen den Weltkriegen entstanden sind. Sie erzeugen ein vielschichtiges Bild der Bautätigkeit zur Zeit der Weimarer Republik, ein Nebeneinander traditionalistischer und klassisch moderner Architektur in allen ihren Spielarten. Heute vielfach zerstört, überformt oder in Vergessenheit geraten, werden diese Bauwerke hier als Neubauten im ursprünglichen städtebaulichen Kontext präsentiert.

 

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Die 1717-1720 von Joseph Greissing erbaute Peterskirche in Würzburg mit den schweren Bombardierungsschäden vom März 1945. Bildarchiv Foto Marburg, Aufnahme 1946
(Glasnegativ 13 x 18cm, Aufn.-Nr. fm204451)

Nach dem 2. Weltkrieg: Sog. Trümmerkampagne des Bildarchivs Foto Marburg zur Dokumentation zerstörter Städte in Bayern 1946/47

Im März 1946 erhielt das Bildarchiv Foto Marburg vom „Office of Military Government for Bavaria, Monument and Fine Arts Department“ den Auftrag, zerstörte Städte in Bayern und Franken zu dokumentieren. Als Grundlage diente eine von der Abteilung Kunstschutz der amerikanischen Besatzungsregierung erstellte „List of protected Monuments“, die nach kunsthistorischen Gesichtspunkten in Marburg noch erweitert wurde. In Orientierung an historischem Bildmaterial sollten beschädigte Baudenkmäler möglichst vom gleichen Standpunkt fotografiert werden wie vor dem Krieg. Die Auswahl der eingesetzten Fotografen sowie die gesamte Organisation der Kampagnen inkl. Materialbeschaffung wurde Foto Marburg übertragen.

Ab April 1946 wurden drei Fotografen-Teams gebildet, die als Gruppe München, Gruppe Nürnberg und Gruppe Würzburg schwerpunktmäßig in diesen schwer getroffenen Städten fotografierten. Darüber hinaus wurden in über zweihundert Orten der umgebenden Kunstlandschaften zerstörte, aber auch intakte Baudenkmäler dokumentiert. Bis März 1947 entstanden so 7500 Schwarz-Weiß-Aufnahmen, ein Drittel davon als großformatige Glasplatten, die anderen im Kleinbild-Format.

Die von kunsthistorisch versierten Fotografen wie Carl Albiker oder Max Hirmer unter wissenschaftlicher Begleitung angefertigten Aufnahmen sind unverzichtbare Bilddokumente der unmittelbaren Nachkriegszeit. Unter schwierigsten Bedingungen entstanden, zeigen die Fotografien eindrucksvoll den Umfang der Kriegszerstörungen an einzelnen Bauwerken und ganzen Städten dieser reichen Kunstlandschaft.

Das im Herbst 1946 entstandene Foto der Würzburger Peterskirche erfasst die verheerenden Bombenschäden an diesem bedeutenden Barockbau, der trotzalledem 1953–54 wiederaufgebaut wurde. Wie sämtliche Kampagnenaufnahmen ist diese Fotografie eine wichtige Quelle für Forschungen zur Bedeutung und Ikonografie fotografischer Bilder der Trümmer- und Aufbaujahre. Darüber hinaus wird wichtiges Material für architekturgeschichtliche, denkmalpflegerische und städtebauliche Forschungen geboten.

Zum Bestand

Rogier van der Weyden
Rogier van der Weyden (Werkstatt), Die Geburt Christi mit Stifterin, Mitte 15. Jh., Sammlung Marks-Thomée. Bildarchiv Foto Marburg, Thomas Scheidt 2014. (Aufn.-Nr: fmd486734)

Sammlerglück – Die Sammlung Marks-Thomée

Der westfälische Landrat und Kunstsammler Fritz Thomée (1862-1944) trug in vier Jahrzehnten Sammeltätigkeit eine Kollektion von etwa 900 höchst exquisiten Kunstwerken zusammen. Die meisten davon gehören heute seinem Enkel Dr. Werner Marks und bilden eine Sammlung, die als das letzte erhaltene Beispiel einer bedeutenden großbürgerlichen Kunstsammlung in deutschem Privatbesitz gilt.

Mit der vom Aachener Suermondt-Ludwig –Museum präsentierten Ausstellung „Sammlerglück“ ist nun erstmals seit den 1950er Jahren eine Auswahl von 100 Meisterwerken aus der Sammlung Marks-Thomée öffentlich zu sehen. Gezeigt werden ausgesuchte Gemälde, Skulpturen und kunstgewerbliche Gegenstände aus der Antike bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Bereits in den 1920er Jahren hatte das Bildarchiv Foto Marburg Gelegenheit große Teile der Sammlung Fritz Thomées mit etwa 350

Schwarzweißaufnahmen zu dokumentieren. Anlässlich der Aachener Ausstellung wird dieser historische Bestand nun seit Sommer 2014 durch weitere rund 330 Neuaufnahmen ergänzt.

Darunter auch das aus der Werkstatt Rogier van der Weydens stammende Gemälde „Geburt Christi“ bei dem im Rahmen der jüngsten Restaurierung überraschend die Darstellung einer Stifterin unter den späteren Übermalungen zutage trat.

„Sammlerglück – 100 Meisterwerke aus der Sammlung Marks-Thomée“, Aachen Suermondt-Ludwig –Museum 12.3.2015 -21.6.2015

Sammlung Fritz Thomée

Neuaufnahmen Ausstellung „Sammlerglück“

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Pisa, Dom, Bonanno di Pisano: Bronzetür der Porta di Ranieri, linker Flügel, Bildfeld mit Flucht nach Ägypten, um 1180. Bildarchiv Foto Marburg / Albert Hirmer, Irmgard Ernstmeier-Hirmer, 4x5Inch-Ektachrome, 1983

Neuerwerbung: Das Fotoarchiv des Hirmer Verlags

1948 von dem Archäologen, Kunsthistoriker und Naturwissenschaftler Dr. Max Hirmer als Gesellschaft für wissenschaftliches Lichtbild gegründet, erhielt der Verlag 1952 seinen heutigen Namen und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Kunstverlage in Europa. Das Programm umfasst ein breites Spektrum an Kunstbüchern vor allem zur Architektur, Skulptur, Malerei und zum Kunstgewerbe im europäischen und außereuropäischen Raum von der Antike bis zur Moderne. In den vergangenen Jahren kamen Publikationen zur Fotografie und zur zeitgenössischen Kunst sowie zahlreiche Ausstellungskataloge und wissenschaftliche Reihen hinzu. Die meisten Publikation sind mit Fotografien illustriert, die von Max Hirmer und später von Albert Hirmer und Irmgard Ernstmeier-Hirmer auf höchstem Qualitätsniveau angefertigt wurden. Das so entstandene Fotoarchiv umfasst heute rund 40.000 großformatige Schwarzweiß- und Coloraufnahmen. Ende 2014 ist mit der sukzessiven Erwerbung und wissenschaftlichen Aufarbeitung des gesamten Fotoarchivs begonnen worden, das unsere Sammlungsbestände zur Kunstgeschichte Europas um erstklassige Aufnahmen bereichert.

Aus der ersten Lieferung zeigen wir eine Detailaufnahme der Bronzetür im südlichen Querhaus des Doms von Pisa, geschaffen um 1180 von Bonanno di Pisano. Von demselben Künstler stammt auch die 1595 durch Brand zerstörte Bronzetür der Hauptfassade sowie die 1186 entstandene Bronzetür an der Westfassade des Doms von Monreale , die der Bildhauer in einem Epigraph gleichsam signierte – ein im Mittelalter seltener Namensbeleg. Die Detailaufnahme der Tür in Pisa mit der Darstellung der Flucht nach Ägypten wurde angefertigt für die Monographie von Ursula Mende, Die Bronzetüren des Mittelalters 800-1200, München: Hirmer 1983. Die Fotografen Albert Hirmer und Irmgard Ernstmeier-Hirmer steuerten die Aufnahmen zu dieser mittlerweile klassischen Studie bei, die 1994 eine ergänzte Neuauflage erfuhr.

www.hirmerverlag.de

ICC Berlin
ICC Berlin, Saal 1, Blick nach Osten,
Aufnahme Thomas Scheidt, Bildarchiv Foto Marburg (Aufnahme-Nr. fmd460016)

Denkmalschutz für das ICC in Berlin

Das 1973-1979 errichtete Internationale Congress Centrum Berlin gilt als einer der größten, modernsten und mit fast 11 Millionen Besuchern erfolgreichsten Kongressbauten der Welt. Mit 320 Metern Länge, 80 Metern Breite und 40 Metern Höhe wurde durch die Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte ein Veranstaltungs- und Kommunikationszentrum mit programmatischer Anbindung an das bestehende Messegelände geschaffen, das zu den bedeutendsten Großbauten der sogenannten High-Tech-Architektur zählt. Der aluminiumummantelte, futuristisch anmutende Baukörper wird von einer Konstruktion aus Stahlfachwerk sowie Kragarmen und Stahlbetonbindern getragen, die in die Innenraumgestaltung integriert sind. Das Innere beherbergt weitläufige Foyers und 80 Säle mit bis zu 9.000 Plätzen, die mit hochmoderner Technik ausgestattet und durch vielfältige Treppenanlagen zwischen offenen Ebenen erschlossen sind. Die Raumästhetik wird wesentlich durch das einheitliche, sämtliche Ausstattungsteile umfassende Gestaltungskonzept der Architekten bestimmt, ergänzt durch Kunstobjekte verschiedener Künstler.

Im April 2014 wurde das Gebäude geschlossen, da der Weiterbetrieb durch die Messe Berlin als unwirtschaftlich und der Bau als ‚technisch verschlissen‘ galt. Bis heute gibt es keine tragfähigen Konzepte für eine weitere Nutzung nach einer Sanierung. Da sogar Lösungen diskutiert wurden, die - wie die Umnutzung zu einer Shopping Mall - eine weitgehende Zerstörung des Inneren mit sich bringen würden, hat die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und des Verbandes der Landesarchäologen – VDL - auf ihrer Jahrestagung im Juni 2014 eine Resolution für die Erhaltung des ICC an den Senat des Landes Berlin gerichtet. Dort werden sowohl die hohe baukünstlerische Qualität, der gute Erhaltungszustand von Architektur und Ausstattung, als auch der hohe Zeugniswert dieses Architekturerbes aus den Zeiten des Kalten Krieges hervorgehoben und der Eintrag in die Denkmalliste gefordert, um damit der geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung des Hauses gerecht zu werden. Wörtlich heißt es: „Dieser Schritt ist die Voraussetzung für einen den denkmalpflegerischen Prinzipien entsprechenden Umgang mit dem Bauwerk, zu dem auch die angestammte Nutzung gehört.“

Bildarchiv Foto Marburg präsentiert zur Unterstützung der Resolution Schwarzweißfotos der 1970er Jahre sowie 250 exzellente Digitalaufnahmen vom Inneren des ICC, die die hauseigenen Fotografen Thomas Scheidt und Christian Stein im Winter 2012 angefertigt haben.

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www.denkmalpflege-forum.de

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München, Residenz, Königsbau (1826-1835 von Leo von Klenze), Südseite nach der Wiederherstellung, Aufnahme Helga Schmidt-Glassner um 1965, Bildarchiv Foto Marburg (Aufnahme-Nr. 1.553.894).

Leo von Klenze – Gedenkjahr zum 150. Todestag

Der Architekt, Maler und Schriftsteller Leo von Klenze (1784-1864) gelangte vor allem in seiner Stellung als Hofarchitekt von König Ludwig I. von Bayern zu Bedeutung. Seine wesentliche Aufgabe war die Umgestaltung Münchens unter Einbeziehung ganzer Straßen und Plätze sowie einzelner Gebäude. Mit den vornehmlich klassizistischen Bauten am Königsplatz, der Ludwigstraße, mit der Glyptothek, dem Haslauer-Block, der Ruhmeshalle, der Alten Pinakothek oder der Residenz schuf Klenze das bedeutendste Architekturensemble, das in Deutschland zwischen 1815 und 1870 errichtet wurde – vergleichbar dem Werk Schinkels in Berlin.

Viele seiner Bauwerke gelten als absolut modern in ihrer Zeit, insbesondere seine Museumsbauten. So wurde die Glyptothek nicht nur als eine der schönsten Architektur-Kreationen Europas angesehen, sondern diente in ihrem Raumprogramm und ihrer Tageslichtführung vielen Museumsbauten in Europa als Vorbild. Mit der Alten Pinakothek war Klenze ein weiterer Musterbau eines Kunstmuseums gelungen.

Klenze hatte seine Bauten bewusst in den bestehenden Landschafts- oder Stadtzusammenhang hinein komponiert. So machte er etwa in München den natürlichen Steilhang über der Theresienwiese durch die auf der Höhe thronende Ruhmeshalle, die hinaufführenden Freitreppen und die Kolossalstatue der Bavaria zum künstlerisch überhöhten Erlebnis. Den dorischen Tempel der Walhalla mit seinem bis tief ins Tal herunterreichenden Treppenmonument entwickelte er aus der Hügellandschaft des Donautals und den Rundbau der Befreiungshalle ließ er weithin den Bergsporn über Donau- und Altmühltal krönen.

Klenzes Münchner und sonstigen Bauten sind im Bildarchiv Foto Marburg in zahlreichen historisch wertvollen Aufnahmen aus den letzten 130 Jahren dokumentiert. So auf Fotografien aus dem Filser-Archiv aus den 1880er-Jahren , Farbdias von 1941 vor der Kriegszerstörung, sog. Trümmeraufnahmen von 1946 und auf Aufnahmen der Vor- und Nachkriegszeit aus verschiedenen Quellen. Das ausgewählte Bild stammt von der angesehenen Fotografin Helga Schmidt-Glassner und bietet einen schönen Blick vom Portikus des Nationaltheaters auf den wiederhergestellten Königsbau der Residenz, den Klenze nach Formen Florentiner Renaissancepaläste 1826-1835 geschaffen hat.

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Tragaltar (Portatile), 1. H. 12. Jh. und zwei Reliquienkästen, 14. und 16. (?) Jh., Fritzlar, Dom Sankt Peter, Domschatz und Dommuseum. Aufnahme: Ludwig Bickell, 1882, Glasplattennegativ, Nasskollodiumverfahren, 16 x 21 cm. Bildarchiv Foto Marburg / Dauerleihgabe Marburger Geschichtsverein (Aufn.-Nr. 810.878).

Ludwig Bickells Fotografien im „Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes“

Der gebürtige Marburger Ludwig Bickell (1838–1901) zählt zu den Pionieren der Fotografie und der Denkmalpflege in Hessen. Mit seiner Sammlung „hessischer Altertümer“ legte er den Grundstock für das heutige Marburger Universitätsmuseum. 1892 wurde er von der preußischen „Bezirkskommission zur Erforschung und zum Schutz der Denkmäler“ zum ersten Konservator des Regierungsbezirks Kassel gewählt.

Bereits früh, ab 1870, reiste Bickell mit einer eigenen Plattenkamera vorrangig durch Hessen, um in den Städten und auf dem Land historische Bauwerke fotografisch zu dokumentieren. Bis zu seinem Lebensende fertigte er rund 3.000 Aufnahmen in großformatigen Glasplattennegativen an. Sie zeigen in der Mehrzahl Einzelbauten und Ensembles, von denen viele inzwischen zerstört oder verändert wurden. Auch Sammlungsobjekte hat Bickell fotografisch festgehalten, wie der hier gezeigte Tragaltar und die beiden Reliquienkästen aus dem Fritzlarer Domschatz, als hochrangige Belege des hessischen Kunsthandwerks im Mittelalter.

Im Frühjahr 2014 wird Bickells fotografisches Werk in das für Hessen gültige „Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes“ nach dem Kulturgüterschutzgesetz der Bundesrepublik Deutschland eingetragen.

Sein fotografischer Nachlass wird heute als Dauerleihgabe des Marburger Geschichtsvereins e.V. im Bildarchiv Foto Marburg verwahrt. Sämtliche Glasplattennegative wurden restaurierungstechnisch untersucht, hochauflösend digitalisiert. und im Rahmen des laufenden DFG-Projekts „Fotografische Negative“ unter fotohistorischen Gesichtspunkten dokumentiert.

Eine Kabinettausstellung im Marburger Landgrafenschloss, dem Gründungsort des Universitätsmuseums, präsentiert bis zum 16. März 2014(verlängert) eine Auswahl von meisterlichen Aufnahmen Bickells in hochwertigen Abzügen, ergänzt durch seine Veröffentlichungen und Dokumente aus der Entstehungszeit der Fotografien.

Flyer

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Bruno Paul: Frankonia (Wandmosaik), Nürnberg, Hauptbahnhof, Wartesaal, 1905, Aufnahme: Bildarchiv Foto Marburg/ Uwe Gaasch 10.2012 (Aufn.-Nr. fmd471245)

EU-Projekt „Partage Plus“

Das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg beteiligt sich seit März 2012 an „Partage Plus“, einem EU-Projekt zur digitalen Dokumentation von Werken aus der Epoche des Jugendstils. Die Ergebnisse werden in der „Europeana“, dem großen Portal zum europäischen Kulturerbe, veröffentlicht. Dazu werden digitale Fotografien und Erschließungsdaten zu insgesamt 75.000 Kunst- und Bauwerken des Jugendstils bis Februar 2014 zu einer gemeinsamen Datenbasis versammelt.

Als einer der 23 Projektpartner in 17 europäischen Ländern hat das Bildarchiv Foto Marburg die besondere Aufgabe, rund 10.000 Sammlungsobjekte an mehreren Museen in Deutschland zu digitalisieren und die Erschließungsdaten anzureichern. Darüber gilt es, ausgewählte Bauwerke des deutschen Jugendstils in 2.000 Fotografien festzuhalten. Die dritte Aufgabe ist die Entwicklung von einheitlichen Fachbegriffen für alle europäischen Projektpartner.

Leitung EU-Projekt: Collections Trust, London (UK).

Deutsche Projektpartner (Stand: März 2013):
Bröhan-Museum, Berlin (DE)
Institut Mathildenhöhe, Darmstadt (DE)
Glasmuseum Hentrich, Stiftung Museum Kunstpalast Düsseldorf
Hetjens-Museum / Deutsches Keramikmuseum, Düsseldorf
Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz

Projektleitung Deutschland:
Dr. Christian Bracht, Tel. +49 (0) 6421 28 23 604

Kontakt:
Christiane Pagel M.A., Projektkoordination | Tel. +49 (0) 171 762 78 40

Partage Plus 2012-2014 | Co-funded with support from the European Commission

Patage Plus

Mehr zu “Partage Plus”

Datenbestand der deutschen Projektpartner

Pressemitteilung "Jugendstil goes digital"

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Braubach, Marksburg, begonnen 1231, Ansicht von Norden. Aufnahme: Bildarchiv Foto Marburg / Thomas Scheidt, Juli 2012 (Aufn.-Nr. fmd469312)

Sanierung der Marksburg abgeschlossen

Die Marksburg thront gestaffelt auf einem Felskegel oberhalb des Ortes Braubach und ist als einzige nie zerstörte mittelalterliche Höhenburg am Mittelrhein seit 2002 Teil des UNESCO-Welterbegebietes Oberes Mittelrheintal. Die imposante Festung mit Bergfried, Palas, Vorburg, Zwingern und Bastionen sowie charakteristischen Innenräumen wie Burgküche, Rittersaal, Kemenate, Kapelle, Rüstkammer, Turmstuben oder Weinkeller gilt vielen als Idealtyp der mittelalterlichen Burg. Seit über hundert Jahren ist die Anlage im Besitz der Deutschen Burgenvereinigung, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Burgen und Schlösser vor dem Verfall, aber auch unsachgemäßer Renovierung zu retten.

Die Ende der 1980er Jahre in Zusammenarbeit mit der staatlichen Denkmalpflege begonnenen aufwändigen und hochkomplexen Sanierungsmaßnahmen konnten im Sommer dieses Jahres abgeschlossen werden.

Das Bildarchiv Foto Marburg hat die aktuellen Ergebnisse der Instandsetzung in den Jahren 2011-2012 dokumentiert und verfügt darüber hinaus über einen wertvollen Bestand an historischen Schwarzweiß- und Farb-Aufnahmen der Burganlage.

Die Deutsche Burgenvereinigung e.V. (DBV)

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Nicholas Grimshaw, Messehalle 3, Frankfurt am Main, 2000-2001, Aufnahme: Bildarchiv Foto Marburg / Waltraud Krase 2002

Besuchen Sie uns auf der Frankfurter Buchmesse 2012

Wir stellen uns vor und laden ein zum Gespräch über Buchpublikationen, Bilddatenbanken, Fotokampagnen oder Übernahmen von Fotoarchiven.

Die nebenstehende Aufnahme stammt von der Frankfurter Architekturfotografin Waltraud Krase, deren herausragendes Œuvre im Umfang von 30.000 Fotografien in unsere Archivbestände übernommen werden konnte. Hier zeigt sich, auf welch hohem künstlerischen Niveau die Fotografin international bedeutende Bauwerke dokumentiert. Aufbau, Materialität und Dynamik der organisch schwingenden Glas- und Stahlkonstruktion sind ebenso überzeugend ins Bild gesetzt wie die bauliche Funktion und das Wechselspiel mit dem gespiegelten, abendlich erleuchteten Messeturm.

Frankfurter Buchmesse, Halle 4.1., Stand J 511

Galerie der Archive - Waltraud Krase

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Selige beim Jüngsten Gericht, Bamberg, Dom, Fürstenportal, Tympanon (Detail), um 1230. Aufnahme Walter Hege, um 1927, Bildarchiv Foto Marburg, Neg.-Nr. 147.856

„Seliges Lächeln und höllisches Gelächter - Das Lachen in Kunst und Kultur des Mittelalters“
Ausstellung des Dom- und Diözesanmuseums Mainz vom 27. 4. - 16.9.2012

Seit dem Roman "Der Name der Rose" von Umberto Eco ist bekannt, dass das Lachen im Mittelalter eine heikle Sache sein konnte. Tatsächlich galt das heftige, maßlose oder törichte Lachen in monastischen Kreisen des Früh- und Hochmittelalters als verwerflich und wurde oft einem höllischen Gelächter gleichgesetzt. Mit der Wiederentdeckung verschiedener Schriften des Aristoteles, der das Lachen als ein Wesensmerkmal des Menschen beschrieb, setzt sich im 13. Jh. eine positivere Beurteilung des Lachens durch, bevor die Passionsfrömmigkeit des Spätmittelalters das Weinen höher bewerten und das Lachen erneut verurteilen wird.

Die Ausstellung widmet sich erstmalig diesem Thema und präsentiert herausragende Werke mittelalterlicher Kunst, darunter prominente Plastik des 13. -14. Jahrhunderts wie die Reliefs des Naumburger Meisters vom ehem. Lettner des Mainzer Doms. In frühen Inkunabeln und illuminierten Handschriften kommen mittelalterliche Autoren selbst zu Wort, Bildteppiche und Werke der Goldschmiedekunst ergänzen die Thematik. Im Katalog zur Ausstellung bieten namhafte Fachautoren einen Überblick über die gesellschaftliche Bewertung des Lachens von der Antike bis zum Spätmittelalter; die abgebildeten Kunstwerke entfalten das ganze Panorama mittelalterlichen Gelächters.

Das Bildarchiv Foto Marburg ist als Partner des Dommuseums mit über fünfzig historischen Fotografien an Ausstellung und Katalogbuch beteiligt.

www.dommuseum-mainz.de
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Villa Tugendhat (1928-1930), Ludwig Mies van der Rohe, Essbereich. Aufnahme: Foto Marburg, Dr. Franz Stoedtner-Archiv, Neg.-Nr. 1.183.884, 1930/1931

Eine Ikone der modernen Architektur wieder zugänglich

Seit März 2012 ist die Villa Tugendhat in Brünn, ein Hauptwerk der modernen Architektur, wieder für das Publikum geöffnet.

Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) hatte das Gebäude 1928 als repräsentatives Wohnhaus für das jüdische Unternehmer-Ehepaar Fritz und Grete Tugendhat entworfen. Nur wenige Jahre später musste die Familie wegen der nationalsozialistischen Verfolgungen emigrieren. Die Villa wurde geplündert und war jahrzehntelang dem Verfall ausgesetzt. Bereits 2001 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen, wurde ab 2010 eine aufwändige und sorgfältige Restaurierung durchgeführt.

Dem heutigen Besucher eröffnet sich nun erneut die bestechende Eleganz und Schlichtheit der großzügigen, durch den behutsamen Einsatz wertvoller Baumaterialien geprägten Räume. Auf der zeitgenössischen Aufnahme aus dem Franz-Stoedtner-Archiv erscheint die elegant geschwungene Trennwand aus Makassar-Ebenholz, die den Essbereich vom übrigen Wohnraum separiert, noch im ursprünglichen Zustand. Das kostbare Furnier war lange verschollen und wurde erst 2011 durch glücklichen Zufall in einer Mensa der Brünner Universität wiederentdeckt.

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Nicolaus Gerhaert, Selbstbildnis (?), 1467, Sandstein, Höhe 41 cm, Strasbourg, Musée de l’Œuvre Notre-Dame. Foto: Helga Schmidt-Glassner (Neg.Nr. 1.556.729), Aufnahme 1950/1960

Niclaus Gerhaert. Der Bildhauer des Mittelalters

Unter diesem Ausstellungstitel präsentiert das Frankfurter Liebieghaus bis 4. März 2012 über siebzig Skulpturen aus internationalen Sammlungen, darunter nach neuestem Forschungsstand für Gerhaert gesicherte und ihm zugeschriebene Skulpturen sowie Arbeiten aus seinem Umkreis und seiner Nachfolge.

Der Niederländer Nic(o)laus Gerhaert von Leyden, vermutlich um 1430 in Leiden geboren, ab 1462 in Straßburg tätig und 1473 in Wiener Neustadt verstorben, ist zweifellos einer der bedeutendsten spätmittelalterlichen Künstler. Seine Werke in Holz und Stein überzeugen durch handwerkliche Virtuosität, große Lebensnähe, räumliche Wirkung und vermitteln noch heute ihre innovative Qualität. Berühmte Bildhauer wie Tilman Riemenschneider, Veit Stoß, Michel Erhart oder Michael Pacher sind ohne ihn nicht denkbar.

Ein zentrales Werk im Oeuvre ist die steinerne Porträtbüste aus dem Straßburger Münster mit dem vermeintlichen Selbstbildnis des Künstlers. Das eindrucksvolle Motiv des Kopfaufstützens wird seit der Antike als Geste der gedanklichen Vertiefung und der Melancholie gedeutet.

Ausstellung

 

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Grabplatte des Herzogs Widukind, Kupferstich aus: Samuel Reyher, Monumenta Landgraviorum Thuringiae..., Gotha 1692
Copyright: Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle, Digitale Sammlungen, URN: urn:nbn:de:gbv:3:1-25218-p0110-1

Rezeptionen mittelalterlicher Kunst vor 1700

Mittelalterliche Kunstwerke wurden in Deutschland während des 16. und 17. Jahrhunderts erneuert, ergänzt, umgesetzt, verkauft und neu inszeniert, aber auch in Bild und Beschreibung dokumentiert. Diese unterschiedlich motivierte repräsentative Inanspruchnahme und inhaltliche Umdeutung begünstigte den Erhalt der Objekte, wurde jedoch von der Forschung bisher kaum beachtet.

Am Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte wird derzeit unter Leitung von PD Dr. Arwed Arnulf ein DFG-gefördertes Forschungsprojekt durchgeführt, das Varianten und Intentionen des frühneuzeitlichen Umgangs mit mittelalterlicher Architektur und Kunst behandelt. Vom 19.-20.1 stellt eine Tagung das Forschungsprojekt sowie die entstehende Forschungsdatenbank vor und diskutiert unter Heranziehung auswärtiger Wissenschaftler Fragen, Probleme und verwandte Themen.

Rezeptionen mittelalterlicher Kunst vor 1700
Inszenierung, funktionale Umdeutung und antiquarische Interpretation mittelalterlicher Architektur und Kunst.
Tagung 19.-20.01.2012

Grabplatte des Herzogs Widukind im Bildindex

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Frankfurt am Main, Museum für Moderne Kunst, Treppenhaus, Hans Hollein,
1987-1991. Foto: Foto Marburg, Waltraud Krase, Aufnahme 1991, Neg.-Nr. C454.097

Architektur - Fotografie

Die spannungsvolle Beziehung zwischen Architektur und Fotografie ist Gegenstand einer internationalen Tagung, die vom 10.11.-12.11.2011 vom Deutschen Dokumentationszentrum - Bildarchiv Foto Marburg veranstaltet wird. Gefragt wird nach den Wechselwirkungen zwischen dem ältesten der neuen Bildmedien und der monumentalsten aller künstlerischen Gestaltungsformen.

Zur Debatte steht zunächst das fotografische Bild der modernen und zeitgenössischen Architektur, einschließlich seiner Modifikationen unter den Bedingungen der digitalen Medienwelt. Von verschiedenen Standpunkten aus soll Architektur-Fotografie im Kontext der Historiographie erörtert und deren Rolle im architektonischen Entwurfsprozess sowie in der Präsentation, Vermittlung und Vermarktung von Architektur analysiert werden.

Inwiefern die fotografische Perspektive auf Architektur als künstlerische Interpretation und zugleich als Dokumentation zu betrachten ist, wird anhand der Präsentationen bekannter Fotografinnen und Fotografen angesprochen.

Tagungsflyer

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Jean Pascal Sébah: Kairo, Grabkomplex des Amir Khayrbak, Albuminabzug, um 1880 (Sammlung Frühe Fotopositive, Bildarchiv Foto Marburg)

Frühe Fotopositive im Bildarchiv Foto Marburg

Im Zeitalter der digitalen Medien schärft sich der wissenschaftliche Blick für die historische Dimension der analogen Fotografie. Negativ und Abzug erscheinen in neuem Licht und werden verstärkt zum Gegenstand kunst-, medien- und wissenschaftsgeschichtlicher Forschung.

Auch im Bildarchiv Foto Marburg hat man in jüngster Zeit die eigenen Bestände unter diesem Aspekt verstärkt in den Blick genommen. Neu in den Fokus geriet dabei die seit 1889 aufgebaute Sammlung von Fotopositiven, der über Jahrzehnte für Lehre und Forschung genutzte, systematisch geordnete "Kunsthistorische Apparat". Diese Sammlung enthält neben zahlreichen, meist sehr gut erhaltenen Abzügen der einschlägig bekannten Fotoagenturen auch besonders seltene und wertvolle Exemplare aus der Frühzeit der kunsthistorischen Dokumentar- und Reisefotografie.

Seit Mitte September zeigt die virtuelle Ausstellung "Salz, Silber und Papier - frühe Fotopositive des Bildarchivs Foto Marburg" eine Auswahl dieses Bestandes. Die im Rahmen eines Projektseminars an der Philipps-Universität Marburg vorbereitete und als ausbaufähiges Projekt konzipierte Präsentation soll das Material einer größeren Öffentlichkeit vorstellen und weiterer Forschung den Weg ebnen.

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Alfeld an der Leine, Fagus-Werk, Walter Gropius, 1911-1915. Foto: Bildarchiv Foto Marburg, Franz Stoedtner, 1915/1940, Neg.Nr. 1.129.008

Das Fagus-Werk - Wegbereiter der modernen Architektur

Im Jahr 1911 beauftragte der freigeistige Unternehmer Carl Benscheidt den damals noch unbekannten Architekten Walter Gropius mit dem Bau einer Schuhleistenfabrik in Alfeld an der Leine. Mit seiner neuen schlichten Sachlichkeit und der lichten Ästhetik entwickelte das in zwei Bauphasen errichtete Fagus-Werk eine bahnbrechende Wirkung für die moderne Industriearchitektur.

Der spätere Bauhaus-Gründer Gropius entwarf eine funktional gegliederte Gebäudegruppe aus klaren Baukuben. Die Außenwände des Hauptbaus werden nahezu vollständig in Fensterflächen aufgelöst, die vorhangartig Geschosse und Gebäudeecken überdecken und dem Fabrikgebäude eine bis dahin unbekannte Leichtigkeit verleihen. Mit der Trennung von verdecktem, baulichem Gerüst und vorgehängter, transparenter Fläche nimmt Gropius die Formensprache der curtain-wall voraus, die erst über ein Jahrzehnt später zum entscheidenden Merkmal des ‚Neuen Bauen‘ werden sollte. Rund 100 Jahre nach Baubeginn erklärt die UNESCO am 25.7.2011 die Fabrik, die nach wie vor im Betrieb ist, zum Weltkulturerbe.

Bereits 1981, wenige Jahre vor der ersten umfangreichen Restaurierung von 1984, dokumentierte das Bildarchiv Foto Marburg die seit 1946 unter Denkmalschutz stehende Anlage.

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Rheinfelden (Baden), Altes Wasserkraftwerk, Maschinenhaus vom Schweizer Rheinufer aus, Conradin Zschokke und Otto Intze, 1895-1899, Foto: Foto Marburg, Thomas Scheidt 2010, Neg. Nr. fmd454552

Einmaliges Industriedenkmal abgerissen

Das Alte Wasserkraftwerk Rheinfelden (Baden) wurde 1898 in Betrieb genommen und war das älteste und größte Flusskraftwerk in Europa. Nach Plänen des Schweizer Bauingenieurs Conradin Zschokke errichtet, versorgte es über ein Jahrhundert lang deutsche und Schweizer Gemeinden mit (10 MW) Strom aus 20 Turbinen und wurde Keimzelle des heutigen europäischen Stromverbundnetzes. Das 150m lange Maschinenhaus mit historisierenden Fassaden und einmaliger maschineller Ausstattung sowie die Stahlfachwerkbrücke über den Rhein (210m) galt als technisch und architektonisch herausragendes Industriedenkmal. Gegen alle Widerstände, vor allem von Denkmalpflegern und Historikern, fand der Abriss nach Inbetriebnahme des Neubaus (EnBW) ab Herbst 2010 statt.

Das Bildarchiv Foto Marburg hat die Außenanlage des Gebäudekomplexes vor dem Abriss im Juni 2010 dokumentiert.

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Dom-Museum Hildesheim, Kopfreliquiar des heiligen Oswald aus dem Domschatz, Hildesheim um 1185-1189, Silber, teilvergoldet, Niello, Filigran, Email, Stein- und Perlbesatz, Eichenholzkern, Höhe 45,5 cm. Inv. Nr. DS 23.
Foto:Foto Marburg/Dom-Museum Hildesheim Neg.Nr. dmhds23_05

Ausstellung „Schätze des Glaubens“
Bode-Museum zeigt Meisterwerke mittelalterlicher Kirchenkunst aus Hildesheim und Berlin

Erstmals werden die bekanntesten Zeugnisse spätantiker bis spätgotischer Kirchenkunst aus dem Dom-Museum in Hildesheim und dem Berliner Kunstgewerbemuseum gemeinsam ausgestellt, begünstigt durch den Umbau der beiden Stammhäuser. Von September 2010 bis September 2012 öffnet sich dem Besucher im Untergeschoss des Museums eine mittelalterliche Schatzkammer mit herausragenden Werken der Elfenbeinschnitzerei, Goldschmiedekunst und Buchmalerei. Gezeigt werden - neben Zimelien der Handschriftenabteilung der Berliner Staatsbibliothek - einzigartige Werke aus dem berühmten Welfenschatz, dem Basler Münsterschatz sowie des Kirchenschatzes von St. Michael und des Domschatzes in Hildesheim. Zu den Spitzenstücken aus Hildesheim zählen die große goldene Madonna, das silberne Bernwardkreuz, zwei Bernward-Leuchter oder das Kopfreliquiar des heiligen Oswald.

Der Hildesheimer Domschatz gehört - zusammen mit dem Dom und St. Michael – zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das zugehörige Bildarchiv des Dom-Museums Hildesheim befindet sich seit 2010 als Dauerleihgabe im Bildarchiv Foto Marburg und ist im Bildindex online zugänglich.

Das Dom-Museum im Bildarchiv Foto Marburg

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London, Wellington Arch (Decimus Burton, 1883) mit Quadriga (Adrian Jones, 1912), davor Ausschnitt eines Artillerie-Denkmals. Foto: Foto Marburg, Aufnahme Reinhart Koselleck um 1980.

Nachlass Reinhart Kosellecks (1923-2006) zur Politischen Ikonographie und Ikonologie

Seine Fotografien seien zwar qualitativ nicht die besten, gelegentlich wohl aber die „originelleren“, schreibt Reinhart Koselleck 2002 im Zusammenhang einer Publikationsvorbereitung. An die 30.000 Bilder zur politischen Ikonographie und Ikonologie im Allgemeinen und zum gewaltsamen Tod im Speziellen, darunter insbesondere Krieger- und Reiterdenkmäler im In- und Ausland sowie Holocaust-Gedenkstätten, haben ihren Platz in der Bildsammlung Kosellecks gefunden. Mitnichten handelt es sich dabei aber um eine rein ikonographische Motivsammlung. Vielmehr bezeugen vor allem Kosellecks eigenhändige Fotografien das kritische Potential einer politischen Ikonologie. Politische Ikonologie ist dabei wohl auch eine Sache des Standpunkts und der Perspektive: Das ausgewählte Foto ist in London um 1980 entstanden. Es zeigt das Wellington Tor mit Quadriga, perspektivisch gebrochen und dabei gewissermaßen bildlich „auf den Boden der Tatsachen geholt“, an die Seite eines “Unbekannten Soldaten“ (Vgl. auch Koselleck, Reinhart: „Der Unbekannte Soldat als Nationalsymbol im Blick auf Reiterdenkmale“, in: „Vorträge aus dem Warburg-Haus“, Bd. 7, 2003).

Im Frühjahr 2009 hat das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg den Bildnachlass des 2006 verstorbenen Historikers Reinhart Koselleck übernommen, der schriftliche Nachlass ging an das Deutsche Literaturarchiv Marbach. In Kooperation erschließen beide Institutionen die Bestände und machen sie für die Forschung zugänglich. Vom 18. – 20. November 2010 wird nun erstmals eine Tagung in Marburg zum Thema „Reinhart Koselleck - Politische Ikonologie“ erste Forschungsergebnisse präsentieren und im weiteren interdisziplinären Rahmen diskutieren.

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Stuttgart, Hauptbahnhof, südöstlicher Seitenflügel, Paul Bonatz.& Friedrich Eugen Scholer, 1911-1928, Foto: Foto Marburg, Rose Hajdu 2009, Neg. Nr. fmd445859

Stuttgarter Hauptbahnhof

Der Stuttgarter Hauptbahnhof wurde 1914-1928 nach den Entwürfen der Architekten Paul Bonatz (1877–1956) und Friedrich Eugen Scholer (1874–1949) erbaut. Das Bauwerk vereint traditionelle Elemente repräsentativer Monumentalität mit progressiven Merkmalen, welche sich im Kompositionsprinzip oder den mehrheitlich flachen Dächern zeigen. Das monumentale Bauwerk gilt daher als Vertreter der sogenannten „Anderen Moderne“ und spielt eine entscheidende Rolle in der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Im Rahmen des umstrittenen Verkehrs- und Städtebauprojekts Stuttgart 21 wird der denkmalgeschützte Kopfbahnhof in den nächsten Jahren in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umgewandelt. Mittlerweile hat - trotz größter Widerstände -der hierfür nötige Abriss der Seitenflügel begonnen.

Im Sommer 2009 hatte das Bildarchiv Foto Marburg eine Dokumentation in Auftrag gegeben, um den ursprünglichen Zustand des bedrohten Baudenkmals fotografisch festzuhalten. Dabei wurden sowohl Außenfassaden samt wesentlicher Details als auch Ansichten diverser Innenräume fotografiert.

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Günter Behnisch : München, Olympiastadion, Blick auf die nordwestlichen Ränge von Süden (Aufnahme 1972) Foto: Foto Marburg, Neg.Nr. B 16/5

Günter Behnisch

1922 bei Leipzig geboren, studierte der renommierte deutsche Architekt Günter Behnisch in Stuttgart Architektur und gründete dort 1952 sein Architekturbüro. Verknüpft mit seinen vielen bautechnischen Neuerungen waren für das Werk seine Vorstellungen eines Bauens „für den Menschen“, die mit nicht hierarisch strukturierten, offenen und transparenten Bauten das Bild der deutschen Nachkriegsarchitektur prägten. Weltweite Bekanntheit erzielte er mit dem Olympiagelände in München (1967-1972), dessen bestimmendes Merkmal die kühne, zusammen mit Frei Otto entwickelte schwebende Zeltdachkonstruktion ist. Der Plenarsaal des deutschen Bundestags in Bonn (1992-1993) liefert ein weiteres prominentes Zeugnis für die schöpferische Qualität des „Baumeisters der Demokratie“ Behnisch. Von 1967 bis 1987 wirkte er in Darmstadt als Professor an der Technischen Universität. In Dresden lehrte er bis 2000 an der von ihm 1996 mitbegründeten Sächsischen Akademie der Künste. Am 12. Juli 2010 starb Günter Behnisch im Alter von 88 Jahren.

Die vom Bildarchiv Foto Marburg 1972 angefertigte Fotoserie dokumentiert die Münchner Olympia-Gebäude unmittelbar vor Abschluss der Bauarbeiten.

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Hagen, Museum Folkwang, Ausstellungsraum, Gemälde von Emil Nolde und Lasar Segall kombiniert mit Ahnenbildern aus Neuguinea (Aufnahme um 1920). Foto: Foto Marburg, Neg.Nr. 625.684

Expressionismus und Exoten

Der Sammler und Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus (1874-1921) hatte für sein 1902 in Hagen gegründetes Museum Folkwang eine vorzügliche Sammlung Klassischer Moderne und außereuropäischer Skulptur zusammengetragen. Indem er in der Sammlungsinszenierung außereuropäische Kunst mit Werken des Expressionismus konfrontierte, wurden sonst nur im völkerkundlichen Kontext gezeigte Artefakte erstmals in den Rang westlicher Hochkunst gehoben.

Seit 1921 befindet sich das Museum Folkwang in Essen. Die aktuelle Ausstellung zur Wiedereröffnung zeigt die Sammlungsschätze in der von Osthaus konzipierten Kombination von Avantgardekunst und Skulpturen des Altertums, des Orients oder tribaler Gesellschaften Afrikas und Asiens.

Die 1910 ebenfalls von Osthaus gegründete „Photographien- und Diapositivzentrale“ beherbergte 20.000 Aufnahmen zur in Hagen begründeten Sammlung sowie zu ausgewählten Kunstwerken vieler Länder und Epochen. Zu den Schwerpunkten dieses didaktischen Teils gehörten wiederum Werke des Expressionismus und Impressionismus, des Kunstgewerbes, des Jugendstils sowie Zeugnisse außereuropäischer Kunst. 1933, vier Jahre bevor Kerne der Essener Sammlung von den Nationalsozialisten konfisziert wurden, ging das bedeutende Fotoarchiv in das Eigentum des Bildarchivs Foto Marburg über.

Das Osthaus-Archiv im Bildarchiv Foto Marburg

Ausstellung ‚Das schönste Museum der Welt’

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Stadtarchiv Köln, Best. 7010 (W) 312, fol. 10v: Bildseite mit dem heiligen Pantaleon, Evangeliar aus St. Pantaleon, um 1140. Foto: Bildarchiv Foto Marburg / Michael Jeiter, um 1980 (Neg.-Nr. fmc439791)

Kölner Stadtarchiv – erster Jahrestag des Einsturzes

Das Historische Archiv der Stadt Köln, nördlich der Alpen das größte kommunale Archiv, verfügte bis 2009 über 65.000 Urkunden, 26 Regalkilometer Akten, 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate, 818 Nachlässe und Sammlungen sowie über 1.000 mittelalterliche Handschriften. Auf Grund von Unregelmäßigkeiten beim U-Bahn-Bau kam es am 3. März 2009 zum Einsturz des Archivgebäudes. Der kulturelle Verlust steht der Katastrophe von Weimar - im September 2004 brannte die Anna-Amalia-Bibliothek aus - in nichts nach.

Mittlerweile sind 85 Prozent des Archivgutes geborgen, darunter der größte Teil der mittelalterlichen Handschriften. Derzeit weist die Bilanz 35 Prozent schwerste und 50 Prozent schwere bis mittlere Schäden an den Objekten aus.

In Erinnerung an die Archiv-Katastrophe und im Rahmen des bundesweiten Tages der Archive am 6./7. März werden im Berliner Martin-Gropius-Bau rund 100 Leihgaben aus den Beständen des Kölner Stadtarchivs gezeigt, darunter Albertus Magnus „Liber de animalibus“ (13. Jh.) und das abgebildete Evangeliar aus St. Pantaleon. Die Ausstellung informiert zudem über das Ausmaß der Zerstörung und die Restaurierungsarbeiten.

Auch wenn die Originale unersetzlich sind, kommt der Bilddokumentation eine zentrale Bedeutung zu. Fast alle Archivalien der Zeit vor 1815 sind auf über 6.000 Mikrofilmen mit rund zehn Millionen Aufnahmen dokumentiert und im Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland, einem ausgebauten Bergwerkstollen bei Freiburg i.Br., dauerhaft eingelagert. Spätere Bestände sind dagegen nur lückenhaft verfilmt oder in geringer Anzahl digitalisiert.

Rund 2.750 Fotografien aus dem Rheinischen Bildarchiv Köln und dem Bildarchiv Foto Marburg dokumentieren Sammlungsgut des Kölner Stadtarchivs. Unser Bild zeigt eine Illumination aus einer prachtvollen Handschrift des 12. Jahrhunderts in einer in Marburg aufbewahrten hochauflösenden Farbaufnahme.

Ausstellungs-Hinweis:
Köln in Berlin. Nach dem Einsturz: Das Historische Archiv.
6. März bis 11. April 2010
Berlin, Martin-Gropius-Bau
http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/11_gropiusbau/mgb_start.php

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Istanbul, Hagia Sophia (Baubeginn 532, Weihe 537) von Südosten, Aufnahme von Richard Hamann-Mac Lean, 1955

Istanbul - Kulturhauptstadt Europas 2010

Das Votum der internationalen Jury der Europäischen Union für die erste Stadt eines Nicht-Mitgliedstaates unterstreicht die Bedeutung der Stadt am Bosporus als ein Zentrum sowohl der europäischen als auch der orientalischen Kunst und Architektur.

Gegründet vor 2600 Jahren als griechisches Byzantion, stieg die Stadt in spätrömischer Zeit zu einem wichtigen Handelszentrum mit reger Bautätigkeit und schließlich als Konstantinopel zur Hauptstadt des byzantinischen Reichs auf. Vom 10. bis 12. Jahrhundert erlebte die damals einzige Weltstadt Europas neue Blütezeiten. Nach der osmanischen Eroberung 1453 wurde Stambul (seit 1930 Istanbul) zum Schmelztiegel der Kulturen zwischen Orient und Okzident mit reger, bis in die Moderne andauernder Kunstentwicklung.

Das letzte große Bauwerk der Spätantike, die im 6. Jh. unter Justinian I. als Kuppelbasilika errichtete Hagia Sophia, wurde seit 641 als Krönungskirche der byzantinischen Kaiser genutzt. Mit der Eroberung 1453 unter den Osmanen wurde die Kirche zur Hauptmoschee umfunktioniert. Seit 1934 wird der Bau als Museum genutzt.

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Karl Wilhelm Diefenbach und Hugo Höppner im Atelier, Aufnahme von Carl Teufel, um 1889

Münchner Künstlerateliers

Eine einzigartige Sammlung von über 370 Fotografien zu Münchner Künstlerateliers gehört seit 1935 zum Bestand des Bildarchivs Foto Marburg. Die Aufnahmen des Fotografen Carl Teufel (1845-1912) aus den Jahren 1889-1900 stellen einen wertvollen Querschnitt durch die Münchner Atelierkultur des Historismus dar. Das hier vorgestellte, ungewöhnlich inszenierte Beispiel zeigt den exzentrischen Maler, Pazifisten und Lebensreformer Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913) zusammen mit seinem Schüler Hugo Höppner (gen. Fidus) in seinem Atelier.

In der Villa Stuck in München ist bis zum 17. Januar 2010 die Ausstellung »Karl Wilhelm Diefenbach - Lieber sterben, als meine Ideale verleugnen!« zu sehen, die das Werk des Künstlers erstmals umfassend darstellt und die kulturrebellischen Vorstellungen des ‚Naturpropheten’ nachzeichnet.

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Berliner Stadtschloss, Baubeginn 1443, endgültiges Erscheinungsbild 1699-1706 durch Andreas Schlüter, zerstört 1950/1951, Schrägluftbild, Aufnahme 1920/1940

Wiederaufbau des Berliner Schlosses

Zeitnah zur Bundestagswahl tritt der schon entschieden geglaubte Konflikt um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses in eine neue Phase. Das Bundeskartellamt erklärte jüngst den Vertrag zwischen dem Bund als Bauherrn und dem Wettbewerbssieger Franco Stella wegen juristischer Mängel bei Wettbewerbsdurchführung und Auftragsvergabe für ungültig. Der für 2010 geplante Baubeginn des „Humboldtforums“ liegt damit erst einmal auf Eis. Seitens der Denkmalpflege wird nun verstärkt die Integration der erhaltenen barocken Fundamente und Keller der westlichen Flügel in den geplanten Neubau gefordert, die der Bauträger bis dato mit finanzieller Begründung ablehnt. Neben den umfassenden baugeschichtlichen Zeugnissen des Hohenzollernschlosses, die eine aktuelle archäologische Untersuchung rund um den Eosanderhof seit mehr als einem Jahr zutage fördert, werden im Untergrund dieses Hofbereichs zusätzlich spätmittelalterliche Siedlungszeugnisse vermutet.

Balthasar Jenichen
Balthasar Jenichen († vor 1621), Bildnis des humanistischen Gelehrten Philipp Melanchthon, 1577,
Radierung, 14 x 11.5 cm, Marburg, Universitätsmuseum
Digitaler Porträtindex

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat soeben den Projektantrag „Digitaler Porträtindex druckgraphischer Bildnisse der Frühen Neuzeit“ bewilligt. Das Projekt ist am Bildarchiv Foto Marburg und acht weiteren Partnerinstitutionen angesiedelt. Ziel des Vorhabens ist die Digitalisierung und Erschließung von über 200.000 Porträts aus sieben bedeutenden Sammlungen. Partner im Ausland ist die Österreichische Nationalbibliothek. Sämtliche Daten und Bilder werden im Internet über ein eigenes Portal frei zugänglich gemacht. Durch die Verknüpfung mit der Personennamendatei (PND) der Deutschen Nationalbibliothek wird der „Digitale Porträtindex“ an die Informationsinfrastrukturen der Bibliotheken angebunden.

Beispielhaft für das frühneuzeitliche Porträt steht der hier gezeigte Kupferstich, ein Bildnis des Humanisten Philipp Melanchthon (1497-1560). Neben Martin Luther war Melanchthon als Theologe eine treibende Kraft der kirchenpolitischen Reformation in Deutschland und Europa.

Digitaler Porträtindex

Dessau

Walter Gropius: Ehemaliges Staatliches Bauhaus Dessau, Blick in das Treppenhaus im Werkstatttrakt, 1925-26, Aufnahme fmc440924 von 1990. Fotograf: Gert von Bassewitz

Das Bauhaus wird 90

Lichtdurchflutet, materialgerecht und funktional bis ins Detail: Das ist Bauhaus-Architektur, so wie sie hier im Treppenhaus des ehemaligen Staatlichen Bauhauses Dessau zu sehen ist. Der Architekt Walter Gropius schuf das Gebäude 1925/26 für seine Schule für Architektur, Design und Kunst.

Neu an dem Gebäude waren die unterschiedlich gestalteten Baukörper, in denen Bereiche wie Werkstatt oder Lehranstalt funktional getrennt und zugleich in einem Baukomplex vereint wurden. Große Beachtung fand zudem der hier von innen sichtbare Curtain Wall, die gänzlich gläserne Fassade des Werkstatttraktes, die Transparenz und Leichtigkeit vermittelt.

Die Bauhaus-Idee, Architektur und Handwerk wieder zusammenzuführen, wurde jedoch 6 Jahre zuvor in Weimar entwickelt. Vor 90 Jahren gründete Walter Gropius dort das Staatliche Bauhaus Weimar. Die Klassik Stiftung Weimar zeigt zum Jubiläum eine umfassende Ausstellung.

www.das-bauhaus-kommt.de

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Collage mit Fotos aus dem Bildarchiv Foto Marburg

Teil eines Kanons?

Wer kennt sie nicht, Dürers ‚Adam und Eva’, die Villa Rotonda oder den Bamberger Reiter? Gehören diese Beispiele zu einer Gruppe besonders bekannter oder für die Kunstgeschichte bedeutender Kunstwerke? Mit solchen Fragen der Ordnung oder Wertung von Kunst beschäftigt sich die Kunstwissenschaft immer wieder. Nicht selten wird dabei von einem kunsthistorischen Kanon gesprochen, der gleichwohl statuiert, hinterfragt wie auch bestritten wird.

Auf dem XXX. Kunsthistorikertag in Marburg vom 25.-29. März 2009 wird erneut über Kanones der Kunstgeschichte diskutiert und reflektiert werden.

Das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg präsentiert sich vor Ort nicht nur mit einem Ausstellungsstand sondern nimmt in Sektionen und Foren aktiv am Diskurs teil.

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Elisabeth bekleidet die Nackten, Marburg, Elisabethkirche, Elisabethfenster. Köln (?), um 1245/50, Aufnahme fmc426930 von 1998.

Elisabeth bekleidet die Nackten

Das Glasfenster mit der Darstellung ‚Elisabeth bekleidet die Nackten’ gehört zu dem um 1245/50 entstandenen Elisabethfenster im Chor der Marburger Elisabethkirche. Die 12 Medaillons zeigen Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth und ihr Wirken für Arme und Kranke, dargestellt in den christlichen Werken der Barmherzigkeit.
In dieser leuchtend farbigen und lebendig gestalteten Szene streift Elisabeth gerade einem spärlich bekleideten Mann einen Ärmelrock über, während eine barfüßige Frau mit ihrem Sohn im Tragrock und ein Mann mit verkrüppelten Beinen auf Handkrücken bittend die Hände zu der Heiligen erheben.

Reich bebildert und auf neuestem Forschungsstand wird u.a. dieses Fenster besprochen im 3. Band der Reihe Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland: Parello, Daniel: Die mittelalterlichen Glasmalereien in Marburg und Nordhessen, Berlin 2008.

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Andrea Palladio: Villa Pisani in Bagnolo di Lonigo (Vicenza), Gartenfassade, erbaut ab 1542, Aufnahme: Gert von Bassewitz, 1990

Zum 500. Geburtstag Palladios

Die Villa Pisani bei Vicenza ist eine von zahlreichen Villen im Veneto, die Andrea Palladio, einer der bedeutendsten Architekten der Renaissance in Oberitalien, schuf. Am 8. November 2008 wird sein 500. Geburtstag gefeiert.

Mit der 1542 begonnenen Villa errichtete Palladio erstmals einen ländlichen Wohnsitz, der sowohl den landwirtschaftlichen Bedürfnissen wie auch den gehobenen Wohnansprüchen seiner einflussreichen Auftraggeber gerecht wurde. Dabei orientierte er sich, wie bei vielen seiner Bauwerke, an antiken Vorbildern.

Das Foto zeigt die sehr schlicht gestaltete Rückansicht der Villa, von der eine breite Treppe auf das weitläufige Landgut führt. Diese ‘stimmungsvolle’ Aufnahme stammt von dem Fotografen Gert von Bassewitz, der 2007 dem Bildarchiv Foto Marburg rund 4500 Farbaufnahmen zur Architektur in Europa überlassen hat.

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Porträt von Reinhart Koselleck. Stadtarchiv Bielefeld, Fotograf: Jobst Lohöfener

Nachlass des Historikers Reinhart Koselleck

Das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg hat zusammen mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach den Nachlass des Bielefelder Historikers Reinhart Koselleck (1923-2006) erhalten. Beide Häuser werden Nachlass und Sammlung erschließen, der Forschung zugänglich machen und eigene Forschungen unternehmen. Die umfangreiche Bild- und Materialsammlung zur politischen Ikonographie Kosellecks, die jetzt das Bildarchiv Foto Marburg betreut, enthält Bildmaterial etwa von Kriegerdenkmälern, Mahnmalen, Reiterstandbildern und generell von Objekten zur Geschichte des gewaltsamen Todes sowie zu den Themenkreisen Macht und Herrschaft.

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Lübeck, Sankt Marien, Rathaus und bombenzerstörte Altstadt. Fotograf unbekannt, Aufnahme nach dem 29.03.1942.

Luftbildarchiv deutscher Innenstädte

Die zunehmenden Luftangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf deutsche Innenstädte bewogen 1942 den von Albert Speer geleiteten "Arbeitsstab für Wiederaufbauplanung bombenzerstörter Städte", die entstandenen Schäden zu dokumentieren. Aus dem Nachlass seines damaligen Mitarbeiters, dem Städteplaner Hans Stephan (1902-1973), besitzt das Bildarchiv Foto Marburg seit den 1980er Jahren eine Sammlung von rund 3.200 Negativen dieser wichtigen Schrägluftaufnahmen. Die beeindruckenden, zwischen 1942 und 1944 entstandenen Aufnahmen zeigen bedeutende Innenstädte vor ihrer Vernichtung oder bereits mit ersten größeren Zerstörungen der historischen Bausubstanz.
Das Foto zeigt die historische Altstadt von Lübeck nach dem verheerenden Bombardement im März 1942. Große Teile der Wohnbebauung vor Sankt Marien sind zerstört.

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Frankfurt/M., Liebieghaus, Athena des Myron, römische Wiederholung einer Bronzegruppe von um 450 v. Chr., Inv. Nr. 195, Marmor, 173,5 cm, Aufnahme: Foto Marburg, um 1937

Athena des Myron

Die steinerne „Frankfurter Athena“ ist Teil der am besten erhaltenen römischen Wiederholung einer verlorenen Athena-Marsyas-Gruppe um 450 v. Chr., die ursprünglich aus Bronze war und auf der Akropolis in Athen stand. Der griechische Bildhauer Myron verband hier mehrere Elemente des Marsyas-Mythos. Die besondere künstlerische Güte der Darstellung liegt in der innovativ interpretierten Bewegung der Figuren im Raum.
Das Liebieghaus hat zur Wiedereröffnung seiner neu inszenierten Antikensammlung die legendäre myronische Gruppe zusammengeführt – die Athena steht mit der ebenfalls römischen Skulptur des Marsyas zusammen, die als Leihgabe aus den Vatikanischen Museen nach Frankfurt kam. Die Sonderausstellung „Launen des Olymp. Der Mythos von Athena, Marsyas und Apoll“ ist noch bis zum 21.09.2008 zu sehen.

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Reims, Kathedrale, Chor von Osten, Aufnahme: Richard Hamann-MacLean, 1960/1963

Zum 100. Geburtstag von Richard Hamann-MacLean (1908-2000)

Am 19. April 2008 wäre Richard Hamann-MacLean 100 Jahre alt geworden. Der Sohn Richard Hamanns, des Gründers von Foto Marburg, war als Hochschullehrer für Kunstgeschichte zunächst in Marburg, ab 1967 in Mainz tätig. Seit 1925 hat er für Foto Marburg fotografiert, oft gemeinsam mit seinem Vater – so etwa in Frankreich im Auftrag des der deutschen Militärverwaltung zugehörigen Kunstschutzes 1940/1944. Ein Kernbestand seines 15.000 Aufnahmen umfassenden Nachlasses im Bildarchiv Foto Marburg sind die 750 Glasnegative, die der Kunsthistoriker und Fotograf für seine mehrbändige Monographie „Die Kathedrale von Reims“ angefertigt hat. Zum Jubiläumsjahr erscheint der aus dem Nachlass herausgegebene Textband zur Skulptur der Kathedrale von Reims (Teil II, 4).
Die Anfang der 1960er Jahre erstellte Aufnahme der Kathedrale von Osten zeigt die Marburger Dokumentarfotografie in einer Ästhetik, wie sie Richard Hamann und sein Sohn über Jahrzehnte nicht nur in der Praxis gepflegt, sondern auch in ihren Schriften eigens reflektiert haben.

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Berlin, Am Zirkus 1, Großes Schauspielhaus (zerstört), Lichtsäulen im Foyer, Aufnahme um 1920, Foto: Karl Ernst Osthaus

Großes Schauspielhaus Berlin

Für den Theaterregisseur Max Reinhardt gestaltete Hans Poelzig 1918-1919 eine Markthalle zum „Theater der Fünftausend“ um. Die magische Gestaltung des Innenraums mit indirekt beleuchteter Stalaktitenkuppel und Elemente wie die palmenartigen Lichtsäulen des Foyers machten das Schauspielhaus zum expressionistischen Meisterstück. Schwere Fundamentschäden führten 1985 zum Abbruch des Gebäudes.
Mit der Ausstellung „Hans Poelzig (1869-1936): Architekt – Lehrer – Künstler“ würdigt das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt/M. neben dem architektonischen Werk vor allem Poelzigs malerisches Oeuvre und seine Szenografien für Film und Kino. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 18. Mai 2008.

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Marburg, Universitätsmuseum für Bildende Kunst, Spitzweg, Carl, „Der Briefbote im Rosenthal“, Inv.-Nr. 1170, um 1858, Öl auf Leinwand, 73,5 × 46,5 cm, Neg.-Nr. C 222.553

Der Briefbote im Rosenthal

Carl Spitzweg, ein bedeutender Maler des deutschen Biedermeier, wurde am 5.2.1808 in München geboren. Erst nach einer pharmazeutischen Ausbildung begann er autodidaktisch seine künstlerische Entwicklung als Maler und Zeichner.
Anlässlich seines 200. Geburtstags zeigen wir eines der bekanntesten Werke Spitzwegs, das sich seit 1954 im Marburger Universitätsmuseum befindet. Das um 1858 entstandene Gemälde stellt eine beschauliche Kleinstadtszene dar. Die Ankunft des Briefboten in einer engen, nach allen Seiten begrenzten Altstadtgasse weckt die Neugier und sehnsüchtigen Hoffnungen der weiblichen Anwesenden. Spitzwegs Vorliebe für schluchtartige, bühnenhaft aufgebaute Bildräume blieb bis in die Spätphase seines Schaffens bestehen.

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Hildesheim, Dom, Blick vom Chor mit Hezilo-Leuchter, Aufnahme 2007

Hezilo-Leuchter in Hildesheim

Der 1276 zuerst urkundlich erwähnte Hezilo-Leuchter im Hildesheimer Mariendom ist mit seinem Durchmesser von über 6 m der größte der vier im deutschsprachigen Raum erhaltenen mittelalterlichen Radleuchter. Als sein Stifter gilt Bischof Hezilo (1054–1079). Der zum Weltkulturerbe gehörende vergoldete Leuchter symbolisiert die aus der Offenbarung des Johannes entlehnte Vorstellung des himmlischen Jerusalems. Entsprechend stellt sein Reifen eine Stadtmauer dar. An den Türmen, die ursprünglich wohl Figuren enthielten, sind die Namen von Propheten und Tugenden verzeichnet, an den Stadttoren die Namen der zwölf Apostel. Nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen wurde der Hezilo-Leuchter im Oktober 2007 durch das Bildarchiv Foto Marburg fotografisch dokumentiert.

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Marburg, Elisabethkirche, Elisabethschrein, 1235-1250, Elisabethseite, Figur der Hl. Elisabeth

Schrein der Elisabeth von Thüringen

Im Jahr 2007 jährt sich der Geburtstag von Elisabeth von Thüringen zum 800. Mal. In Vorbereitung dieses Jubiläums hat das Bildarchiv Foto Marburg jüngst eine umfangreiche Fotodokumentation des Schreins in der Elisabethkirche Marburg vorgenommen.
Der 1235-1250 geschaffene Reliquienschrein aus vergoldetem Kupferblech über einem Eichenholzkern ist mit einer Vielzahl an Gemmen und Edelsteinen geschmückt. Neben den Figuren der Elisabeth und Maria mit dem Kind an den Schmalseiten, den zwölf Aposteln mit dem thronenden Christus, zeigen acht Dachreliefs Szenen aus dem Leben der Heiligen. In Zusammenarbeit mit dem Bildarchiv Foto Marburg ist eine Multimedia-CD-ROM zum Leben der Heiligen entstanden.

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Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Konradin von Schwaben und Friedrich von Österreich vernehmen beim Schachspiel ihr Todesurteil, 1784, Öl auf Lw., Gotha, Stiftung Schloss Friedenstein

Das Ende der Stauferherrschaft in Italien 1268

1784 vollendete Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) in Rom das großformatige Historienbild als Geschenk für den Herzog von Gotha. Dargestellt sind Konradin von Schwaben und Friedrich von Österreich nach verlorener Schlacht bei Tagliacozzo im Gefängnis von Neapel, als sie ihr Todesurteil erhalten.
Das Leipziger Museum der Bildenden Künste zeigt in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen Kassel vom 18.3. bis 5.6.2006 die Ausstellung „3 x Tischbein und die europäische Malerei um 1800“. Im Kontext bedeutender Zeitgenossen werden Werke der drei wichtigsten Maler der Familie Tischbein präsentiert.

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Berlin, Erbauung des Reichstagsgebäude von Wallot, Steinmetzarbeit an einem Turmsäulenkapitell für einen der hinteren Ecktürme, Aufnahme 1890

Reichstag in Berlin

Am 9.6.1884 erfolgte in Berlin die Grundsteinlegung für das Reichstagsgebäude nach Plänen von Paul Walllot (1841-1912). Die Ausführungsentwürfe der repräsentativen Vierflügelanlage wurden unter dem Druck der Akademie des Bauwesens und Kaiser Wilhelms II. (seit 1888) mehrfach verändert, so dass der vollendete Bau 1894 wesentliche Abweichungen vom ursprünglichen Projekt zeigte. Für das Deutsche Reich bedeutete der Parlamentsneubau Wallots in Formen der internationalen Neurenaissance den Beginn einer Entwicklung hin zu einer eigenständigen nationalen Reichsarchitektur und zugleich die Überwindung des preußischen Klassizismus.

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Chartres, Kathedrale Notre-Dame-de-Chartres, Hans-Adalbert von Stockhausen (links) und ein Mitarbeiter beim Fotografieren des mittleren Portals der Nordvorhalle, Aufnahme 1940/41

„Kunstschutz“-Kampagne im Nationalsozialismus

Der jüngst dem Bildarchiv Foto Marburg übergebene Nachlass des Marburger Kunsthistorikers Hans-Adalbert von Stockhausen (1909-1942) enthält eine Anzahl qualitativ hervorragender Aufnahmen der Jahre 1940/41, die im Rahmen des „Kunstschutzes“ durchgeführte Fotokampagnen im besetzten Frankreich dokumentieren.
Das Bildmaterial zeigt das von Stockhausen geleitete Fotografenteam bei der Arbeit und vermittelt Eindrücke der mitunter improvisierten technisch-organisatorischen Vorbereitungen, die beim Fotografieren schwer zugänglicher oder unhandlicher Objekte nötig waren.

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Regensburg, Altstadt mit Donau, Steinerner Brücke, Brücktor und Dom

Welterbestadt Regensburg

Die in ihrer Bestandsdichte an urbaner romanischer und gotischer Architektur für Deutschland einzigartige Altstadt Regensburgs wurde 2006 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Neben besonders bekannten Baudenkmälern wie dem Alten Rathaus, der Steinernen Brücke oder dem Dom St. Peter gehören zu den Sehenswürdigkeiten zahlreiche mittelalterliche Patrizierburgen, repräsentative Bürgerhäuser mit Geschlechtertürmen und mit dem um 1250 datierten Wohnhaus Johannes Keplers das älteste komplett erhaltene deutsche Holzhaus.
Vom 14.-18. März 2007 findet in Regensburg der 29. Deutsche Kunsthistorikertag statt. Das Bildarchiv Foto Marburg ist mit einem Ausstellungsstand vertreten.

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Stuttgart, Weißenhofsiedlung, Bruckmannweg 8, Einfamilienhaus von Bruno Taut (zerstört), Aufnahme um 1930

Weißenhofsiedlung Stuttgart

Als ein Höhepunkt der Werkbund-Bewegung gilt die 1927 für die Ausstellung "Die Wohnung" am Stuttgarter Killesberg errichtete Weißenhofsiedlung. Unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe entwickelten 17 Architekten aus Deutschland, Holland, Österreich und der Schweiz ein beispielhaftes Konzept urbaner Wohnkultur im Sinne des "Neuen Bauens". Von den ursprünglich 21 Musterhäusern unterschiedlicher Größe (mit insgesamt 63 Wohnungen) sind heute nur elf Gebäude erhalten.
Vom 19.04.-26.08.2007 zeigt das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne die Ausstellung "100 Jahre Deutscher Werkbund".

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Berlin, Museumsinsel, Bodemuseum, Abteilung Mittelalterliche Kunst während des Aufbaus, Aufnahme um 1904

Bode-Museum in Berlin

Für das 1897-1904 von Ernst von Ihne auf der Museumsinsel erbaute Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bode-Museum) entwickelte der Direktor Wilhelm von Bode (1845-1929) ein neues Ausstellungskonzept, das ähnlich den großbürgerlichen Privatsammlungen im 19. Jahrhundert die Objekte nicht nach Gattungen trennte, sondern Skulpturen und Gemälde einer Epoche gemeinsam präsentierte. Nach 1945 empfand man dieses Prinzip der „period rooms“ in der Bundesrepublik lange Zeit als antiquiert.
Mit der Wiedereröffnung des restaurierten Gebäudes am 18. Oktober 2006 kehrt nun die alte gattungsübergreifende Präsentation der Objekte, wenn auch in kleinerem Maßstab, in das Bode-Museum zurück.

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Lorsch, Benediktinerabtei, Tor- oder Königshalle, Westseite vor Öffnung der Durchgangshalle, Aufnahme vor 1933/1934

Königshalle in Lorsch

Die wohl aus dem 9. Jahrhundert stammende Tor- oder Königshalle des ehemaligen Benediktinerklosters Lorsch ist eines der bedeutendsten Beispiele vorromanischer Baukunst in Deutschland. Während die offene Erdgeschosshalle mit Bogenöffnungen zwischen Halbsäulen mit Kompositkapitellen in der Art antiker Triumphtore gestaltet ist, gilt die Fassade des Obergeschosses mit kanellierten Rechteckvorlagen unter ionischen Kapitellen als karolingische Adaption antiker Vorbilder. Nach Abschluss der vor mehr als 20 Jahren begonnenen Restaurierungsarbeiten ist das seit 1991 in der Welterbeliste der UNESCO geführte Bauwerk nun wieder für Besucher geöffnet.

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Brüssel, Avenue de Tervuren, Palais Stoclet, erbaut 1906-1911, großes Speisezimmer, Aufnahme 1917

Palais Stoclet in Brüssel

Vor 100 Jahren wurde mit dem Bau des von Josef Hoffmann (1870-1956) konzipierten Palais Stoclet begonnen. Das 1911 für den Bankier Adolphe Stoclet fertigestellte Stadtpalais gilt als das Meisterwerk der Wiener Werkstätte, deren künstlerisch-gesellschaftliches Ideal dort deutlichen Ausdruck fand. Der große Speiseraum im Erdgeschoss enthält mit seinem Mosaikfries von Gustav Klimt eine der bedeutendsten Leistungen der Wanddekoration des Jugendstils.
Noch bis zum 28.5.2006 zeigt das Palais des Beaux-Arts in Brüssel in Zusammenarbeit mit dem Museum für angewandte Kunst Wien die Ausstellung „Le désir de la beauté“. Le Wiener Werkstätte et le Palais Stoclet.

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Rom, Vatikanstadt, Fabbrica di San Pietro, Modell eines Entwurfs von Antonio da Sangallo d. J., 1539-1546, Tannen,- Linden,- Ulmen- und Pappelholz

Entwurf zum Neubau von St. Peter

Am 18. April 1506 wurde der Grundstein zum Neubau von St. Peter in Rom gelegt. Einer der vielen beteiligten Architekten des erst nach mehr als einem Jahrhundert vollendeten Monumentalbaus war Antonio da Sangallo d. J. (1483-1546). Zwischen 1539-1546 entwickelte Sangallo aus den Grundgedanken seines Vorgängers Donato Bramante die Idee eines Zentralbaus mit Umgängen, den er als Holzmodell ausführen ließ. Mit seiner Länge von 7,36 m und einer Kuppelhöhe von 4,68 m ist es das größte bekannte Holzmodell der Renaissance. Auf den Bau selbst nahm dieser Entwurf jedoch keinen Einfluß.

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Frankfurt am Main, Zur Goldenen Waage, Aufnahme 1925/1939

Goldene Waage, Frankfurt am Main

Eines der prächtigsten Bürgerhäuser der Altstadt war bis zum Zweiten Weltkrieg die 1618/19 für einen Wallonen errichtete „Goldene Waage“ mit Erdgeschossarkaden, Treppenturm und Dachterrasse. Der reich verzierte Fachwerkbau ist Sinnbild einer Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs und reger Bautätigkeit in Frankfurt, die entscheidend durch die Masseneinwanderung protestantischer Niederländer beeinflusst war.
Das Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt zeigt vom 21.02.-18.04.2006 im Karmeliterkloster die Ausstellung „Zwischen Dom und Römerberg - Die Frankfurter Altstadt gestern, heute, morgen“.

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Salzburg, Mozarts Geburtshaus, Aufnahme um 1920

Mozart-Geburtshaus

In diesem Haus in der Getreidegasse 9 in Salzburg wurde Wolfgang Amadeus Mozart am 27.1.1756 geboren. Die Familie Mozart bewohnte in den Jahren 1747 bis 1773 das dritte Obergeschoss des im Kernbau aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammenden, 1751 um ein Stockwerk erhöhten Gebäudes. Die heutige Fassade stammt aus der Zeit um 1800. Bereits am 15. Juni 1880 richtete die Internationale Mozartstiftung hier ein Museum ein.
Der 250. Geburtstag des großen Komponisten wird im Jahr 2006 auf der ganzen Welt gefeiert. Zentren der Festakte, Konzerte und Aufführungen sind Wien und Salzburg.

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Graffunder/Swora, Palast der Republik, Berlin, Schlossplatz, 1974-76; Blick in den Großen Saal" (Manfred Prasser). Aufnahme: Paul Haag/Foto Marburg, 1995.

Palast der Republik, Berlin, 1974-76

Der Palast der Republik wurde 1974-1976 von den Architekten Heinz Graffunder und Karl Ernst Swora als "Volkshaus" auf dem Gelände des im 2. Weltkrieg teilzerstörten und 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses erbaut. Er war zugleich Sitz der Volkskammer der DDR und vielgenutztes Kulturhaus mit großzügigen Foyers, Sälen, Restaurants, Cafés, Kegelbahnen sowie einem Theater. Der von Manfred Prasser gestaltete "Große Saal" mit hexagonalem Grundriß war variabel nutzbar und verfügte u.a. über Hubtürme, Schwenkparketts, Roll- und Senkwände sowie Beleuchtungsbrücken.
Der Deutsche Bundestag besiegelte am 19. Januar 2006 den Abriss des Palastes der Republik am Berliner Schlossplatz.

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Paul Cézanne 1906 in Aix-en-Provence

Gertrud Osthaus, Paul Cézanne in Aix-en-Provence, 1906

21. Juli 2005 - Rainer Stamm, Direktor der Kunstsammlungen Böttcherstraße in Bremen, fand am Bildarchiv Foto Marburg ein bisher unbekanntes Foto Paul Cézannes. Die Sammlerin Gertrud Osthaus schoss das Foto am 13. April 1906 in Aix-en-Provence. Es ist wahrscheinlich das letzte Foto des Malers.
Das deutsche Sammlerehepaar Gertrud und Karl Ernst Osthaus besuchte den damals schon berühmten Maler in der Hoffnung, ein Bild für sein Museum erwerben zu können. Karl Ernst Osthaus (1874-1921) war Kunsthistoriker, Sammler und Direktor des Folkwang-Museums in Hagen (heute Karl-Ernst-Osthaus-Museum).

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Die Grundsteinlegung durch Kaiser Wilhelm II.

Limes, Kastell Saalburg, Feier zur Grundsteinlegung, 11. Oktober 1900

Die am Bildarchiv Foto Marburg erhaltene Aufnahme zeigt die Feier zur Grundsteinlegung des Limeskastells Saalburg bei Bad Homburg durch Kaiser Wilhelm II. am 11. Oktober 1900 – eine aufwendig historisierende, politische Inszenierung. Bereits 1897 hatte der Kaiser beschlossen, das Kastell Saalburg wiederaufbauen zu lassen und ein "Reichs-Limes-Museum" einzurichten. Die Saalburg ist nun europaweit das einzige in wesentlichen Teilen rekonstruierte Limeskastell und zudem eines der ältesten archäologischen Freilichtmuseen.

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Dresden, Zwinger, Mathematisch-Physikalischer Salon, Louis Silvestre: Deckenbild Psyche und Amor, Detail 1717-1723, Zerstörung 1945

Farbdokumentation gefährdeter Kunstschätze 1943-1945

Zwischen 1943 und 1945 wurden im Auftrag des nationalsozialistischen Regimes angesichts der Kriegsgefährdung hochrangige Bauwerke im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten mit großem Aufwand fotografiert. Das Bildarchiv Foto Marburg beherbergt mehr als 18.000 dieser frühen Agfa-Color-Kleinbilddias.
Insgesamt 40.000 Aufnahmen der Kampagne befinden sich im Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI). Rund 650 Aufnahmen liegen am Marburger Herder-Institut. Alle diese Aufnahmen dokumentieren wandfeste Ausstattungen von zusammen rund 480 Bauten, oft kurz vor ihrer Zerstörung.

Zuletzt aktualisiert: 27.09.2017 · Heekyung Reimann

 
 
 
Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg

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